Kinderwagen Stiftung Warentest 2009: durchweg schlechte Test-Ergebnisse?

Update: neuer Kinderwagen Test der Stiftung Warentest 2015.

Die Stiftung Warentest hat aktuelle Kinderwagen untersucht und die Ergebnisse sind durchweg nur befriedigend bis mangelhaft. Die  entsprechende Pressemeldung geht gerade ja durch alle Zeitungen und „alle mangelhaft“ hört sich natürlich katastrophal an. Besonders viele Ausrufezeichen hat zum Beispiel der Artikel der BILD. Allerdings ist die Stiftung Warentest ist beim Thema Kinderwagen auch besonders kritisch und die negativen Schlagzeilen stellen den Stand der Dinge bei auf dem Markt befindlichen Kinderwagen nur einseitig da.

Einen Kinderwagen kaufen ist aber heute ungefähr so komplex wie ein Autokauf. Man vergleicht die verschiedenen Marken, fragt in Foren und recherchiert in Babyfachmärkten und im Internet. Da man selbst nur begrenzt einen Kinderwagen testen kann, muss man sich eben auch auf Testberichte wie der Stiftung Warentest verlassen. Die einzelnen Ergebnisse findet ihr etwas weiter unten im Text.

Bevor ihr euch jetzt aber verrückt macht, weil der eigene Kinderwagen vielleicht auch „mangelhaft“ ist: die Kritik bezieht sich vor allem auf die Testkategorie Schadstoffgehalt und dort meist auch auf einzelne Teile. Ebenso gut könnte man sagen:

Bei der Sicherheit sind 5 Kinderwagen gut und 8 befriedigend.
In der Handhabung sind 3 Kinderwagen gut und 9 befriedigend.

Hier wird es sicherlich noch einige Diskussionen geben, auch die Einzelwertungen sind für mich nicht immer nachvollziehbar.

stiftung-warentest-kinderwagen
Quelle: Produktfotos der Kinderwagen von Stiftung Warentest

Das die Stiftung Warentest hier so auf den Schadstoffen rumreitet soll sicher Zeichen setzen, hilft Eltern bei der Auswahl eine Kinderwagens aber wenig, da es beim Kinderwagenkauf nach diesem Test ja keine Alternativen gibt – Wenn kein einziger Kinderwagen „gut“ getestet wurde und alle gleich schlecht sind – welchen Kinderwagen kann ich dann noch kaufen??

Mir ist die Aussage „Kinderwagen schneiden im Test katastrophal ab“ jedenfalls zu pauschal, kritisiert wurden ja überwiegend nicht die schlechte Verarbeitung, allgemeine Sicherheit oder Handhabung sondern die Schadstoffe, die in 2/3 der Kinderwagen gefunden wurden. Sicherlich ist die Kritik dem Grunde nach gerechtfertigt und ein Verbrauchermagazin muss da auch klare Ansagen an die Hersteller machen. Aber insgesamt alle Kinderwagen so abzuwerten, erscheint mir übertrieben, zumal die Schadstoffe meist in Griffen, Gurten, Bezügen oder Regenhauben gefunden wurden – also auch Teilen, mit dem Babys gar nicht unbedingt dauerhaft in Kontakt kommen.

Die Test-Ergebnisse der Kinderwagen aus Stiftung Warentest 2009:

ModellEURBewertung
Bugaboo Cameleon910befriedigend (3,2)
Teutonia Mistral S550befriedigend (3,2)
Zekiwa Alu-Cross299befriedigend (3,3)
Hartan Topline S550ausreichend (3,8)
ABC  Design Turbo 6S350mangelhaft (4,6)
Brio Go820mangelhaft (4,7)
Herlag Sportwagen Rimini340mangelhaft (4,8)
Babywelt Pro 4430mangelhaft (5,0)
Hauck Chicago air249mangelhaft (5,0)
Emmaljunga Nitro City700mangelhaft (5,0)
I’coo Plasma mit Coco500mangelhaft (5,0)
Maxi-Cosi Mura665mangelhaft (5,1)
Gesslein Future I loop600mangelhaft (5,4)
Quinny Speedi SX550mangelhaft (5,5)

Quelle: Stiftung Warentest Kinderwagen 2009

Inzwischen gibt es erste Stellungnahmen von Kinderwagen-Herstellern. Brio z.B. kann das schlechte Testergebnis nicht nachvollziehen und hält den Test für verzerrt und hat damit nicht ganz unrecht: „Bei den einzelnen Gruppenurteilen in den Kategorien kindgerechte Gestaltung, Handhabung sowie Sicherheit und Haltbarkeit schneidet der Brio Go gut ab…, in der Kategorie Sicherheit und Haltbarkeit erreicht er die Bestnote 2,4“. Wegen PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) im Schulterpolster des Sicherheitsgurtes vergab die Stiftung Warentest dennoch nur die Note 4,7.

Fazit: Die Testergebnisse sind durchaus auch mit etwas kritischem Abstand zu sehen – ein Kinderwagen ist meiner Meinung nach nicht automatisch insgesamt schlecht, weil die Regenhülle oder ein Tragegriff einen Schadstoff enthält. Für Eltern sind beim Kinderwagenkauf auch praktische Werte wie Handhabung, Sicherheit, Haltbarkeit, Komfort oder Ausstattung wichtig, hier sollte man am besten im Geschäft selbst testen und nicht blind auf Testberichte vertrauen.

Verweise:
Kinderwagen-Test 2009 bei Stiftungen Warentest im Internet (kostenpflichtig)
Film zum Kinderwagen-Testbericht 2009 der Stiftung Warentest
Tipps der Stiftung Warentest zum Kauf und zur Nutzung von Kinderwagen

, , , , , , ,

Antworten auf

  1. Corinna 3. März 2011 an 13:40 #

    also wir haben den Stokke und sind damit sehr zufrieden, naja außer vielleicht vom Preis.

    Der Stokke schnitt damals zwecks Weichmacher usw. gut ab (ist allerdings schon ein paar Jahre her 2006). Naja und uns gefällt außerdem noch Farbe, Design und Handhabung von diesem Kinderwagen. Also für uns einfach der perfekte Kinderwagen.

    Die 5 Modelle waren damals ohne Schadstoffe:

    Graco CitiSport, Mini Star by Hauck, Peg Pérego, Stokke Xplory und Tchibo TCM.

  2. Anika 3. März 2011 an 12:19 #

    Welchen Kinderwagen kann man dann noch kaufen?

    Na beispielsweise den Naturkind Kinderwagen. Der ist schadstofffrei!

    Sorry, aber ich verstehe nicht warum sich manche Menschen über den Artikel in Stiftung warentest aufregen. Seid doch froh, dass ihr drauf aufmerksam gemacht worden seid, so habt ihr die Chance auf eine Alternative (die es ja auch gibt) umzusteigen.

    Und umsonst sind die Zahlen an Allergien bei Säuglingen und Kleinkindern nicht gestiegen.

  3. Katrin 17. Oktober 2009 an 15:23 #

    Hallo Bernd! Deiner Argumentation kann ich schon ganz gut folgen, aber der Vergleich mit dem Auto hinkt ja wohl. Die Sicherheit steht wohl für die meisten, wenn nicht sogar alle Eltern an oberster Stelle. Da gab es ja auch schon böse Geschichten mit reißenden Gurten an Tragetaschen von Kinderwagen.

    Aber Schadstoffe sind schon etwas subtiles, nicht wirklich etwas greifbares-es sei denn sie riechen schon von sich aus oder sehen eklig aus. Ich schrieb ja schon, die Hersteller sollten reagieren.

    Design und Styling spielen für mich nur noch eine untergeordnete Rolle und ich habe derartige Erfahrungen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis auch nicht gemacht. Da gibt es doch kaum noch häßliche Wagen, würden an einigen die Marken nicht offenkundig drankleben oder bestimmte Designs die Marke nicht verraten, kann man doch zwischen teuer oder billig oder Marke oder nicht gar nicht mehr unterscheiden.

    Ich sehe den Trend mehr zu preisgünstigen Wagen. Und wer preisgünstig produziert, um auch billig anzubieten, macht Abstriche bei Schadstoffgehalten. Um so trauriger, dass auch in den höheren Preissegmenten noch schadstoffhaltige Wagen zu finden sind. Und das alles zum Wohle der Kinder. LG Kaddi

  4. Bernd 17. Oktober 2009 an 12:02 #

    Die Kritik an dem Testverfahren, dass ein Kinderwagen doch nicht generell als mangelhaft zu bewerten sei, wenn die anderen Kriterien in Ordnung sind sowie die Aussage, das Testurteil sei insgesamt zu pauschal, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

    Die Schadstofffreiheit, zumindest aber ein sehr geringer Anteil an Schadstoffen, sollte eigentlich ein Mindestkriterium für einen Kinderwagen sein! Oder ist ein Auto, welches sich gut fährt, wenig Sprit verbraucht aber im Crashtest leider total versagt, auch noch ein annehmbares Auto? Ich denke nicht.

    Der Test hat ja auch gerade ergeben, dass nicht überall die gleichen Chemikalien aufgefunden wurden, was offenkundig dafür spricht, dass es eben nicht spezielle Schadstoffe gibt ohne die es nicht geht. Im Übrigen zeigen Modelle wie der Kinderwagen von Naturkind, dass es auch anders geht. Schade, dass man diesen nicht noch mit in den Test aufgenommen hat.

    Ausserdem wird es auch nicht besser, wenn die Schadstoffe „nur“ an den Griffen etc zu finden sind. Wer wäscht sich denn nach dem Schieben jedesmal die Hände bevor er sein Kind anfässt?

    Von daher kann ich die Aussage der Stiftung Warentest „Kinderwagen schneiden im Test katastrophal ab“ nur unterstützen. Solche Produkte auf den Markt zu bringen ist echt ein Armutszeugnis der Hersteller, zumal die Belastung im letzten Test vor 3 Jahren deutlich geringer war.

    Nicht ganz unschuldig sind m.E. aber auch die werdenden Eltern, die (wie ich im eigenen Bekanntenkreis feststelle) offenkundig das Hauptaugenmerk auf Design/Styling legen.

    Bernd

  5. Suska 12. Oktober 2009 an 22:11 #

    Hallo, wir haben den Naturkind – Kinderwagen, der ist aus Biobaumwolle und mit Kokosmatratze und Korkgriffen. Eine österreichische Firma, nett und kooperativ, wenn es Probleme gibt.

  6. Sylvia 5. September 2009 an 07:38 #

    Hiho! Habe mir den Bericht im TV beim WDR angesehen. Gibt da ne Sendung da zeigen sie viele aktuelle Tests. Das mit den Schadstoffen finde ich sehr ärgerlich. Es wurden wohl in allen welche gefunden. Mal mehr, mal weniger. Meine Kleine beisst ganz gerne mal in die Gurte, kriege nun immer dabei grosse Augen und sage „Lass das mal lieber“. Wegen den Griffen usw. weiter welches ja die Mama/ Papa betreffen, bin ich nur froh das ich schon Nachwuchs habe hehe. Ach ja, habe schon einmal nen Autofahrer gesehen der ins Lenkrad gebissen hat. Sollte man als Erwachsener klar von absehen bei den fiesen Weichmachern. Es ist schade das die Hersteller immer nur das „gut machen“ worauf gerade geachtet wird und nicht einfach für Babys grundsätzlich gute Produkte herstellen :(( Dabei tun sie dann in der Werbung schön scheinheilig wie wichtig ihnen doch unsere Kinder sind. Aber es intressiert sie eben auch nur unser Geldbeutel und das wars.

    Sylvia

  7. Katrin 1. September 2009 an 22:40 #

    Hallo Chris! Das ist wieder ein schöner Artikel. Als ich meinen Artikel über den Buggy geschrieben habe, habe ich auch einen Stiftung Warentest-Test (Testtest?) bemüht-von 2006. Da wurde auch von so ziemlich jedem Buggy der Schadstoffgehalt bemängelt. Eigentlich schade, dass sich drei Jahre später nichts geändert hat. Von daher sollte die Industrie schon reagieren.

    Ansonsten habe ich alle Baby-Transportierer stets nach praktischen Gesichtspunkten denn nach Schadstoffwerten ausgesucht. LG Kaddi

  8. Chris 1. September 2009 an 21:02 #

    @Blogolade: du triffst den Nagel auf den Kopf, die Anforderungen an einen Kinderwagen sind genauso unterschiedlich wie bei einem Auto oder anderen Dingen. Manche Eltern brauchen einen leichten KiWa, den man die Treppe hochbekommt, anderen ist das egal weil der sowieso im Haus steht, andere brauchen bessere Federung und bestimmte Reifen, also sozusagen den Jeep unter den Kinderwagen für Waldspaziergänge, wieder andere einen, den man möglichst klein zusammenklappen kann usw. da hilft nur selbst ausprobieren… Wenn jetzt nur einige Schadstoffe hätten, wäre das was anderes, aber wenn in allen Kinderwagen Schadstoffe sind, dann entspricht das leider den Realitäten des Lebens, irgendwo findet man immer was..

  9. Chris 31. August 2009 an 15:10 #

    Andreas von PapaOnline hat zu dem Thema gerade eine interessante Umfrage gestellt: 10 von 14 gestesteten Kinderwagen sind wg. Schadstoffgehalt mangelhaft. Würdet Ihr einen solchen Wagen kaufen?

    Hier könnt ihr abstimmen (anonym, ein klick, keine anmeldung oder irgendwas): http://ow.ly/no0v

    Ich bin ja mal gespannt auf das Umfrageergebnis.

  10. Luise 31. August 2009 an 07:28 #

    Toller Artikel! Sehr nützliche Information gibt es hier. Vielen Dank!
    Grüße! Luise

  11. Blogolade 30. August 2009 an 15:16 #

    ich finde diese Tests auch merkwürdig.
    Handhabung zB ist ein Punkt, der doch bei jedem Elternpaar anders ist. Die einen falten ihren Wagen nie zusammen, dafür muss er leicht zu schieben sein. Andere brauchen einen, der im Kofferraum ganz klein ist und auch leicht und wieder andere brauchen einen wald-und wiesentauglichen KiWa. So setzt jeder andere Schwerpunkte und da kann man auch nicht pauschal sagen „der wagen ist gut in der Handhabung, der andere eher schlecht“ Mit den Schafstoffen, nunja, da muss man wohl Abstriche machen. Aber schauen wir doch mal, was wir so alles jeden Tag anfassen. Einige von uns haben ihr Autolenkrad wesentlich mehr in der Hand als den Kinderwagengriff. Und das ist sicherlich nicht Schadstofffrei. Die Schadstoffe an den Gurten…die meisten setzen ihre Kinder doch angezogen in den Wagen, oder?

    Man KANN sich einfach nicht vor allen Schadstoffen schützen. Selbst im Rauch einer Kerze sind krebserregende Stoffe drin.

    Ich finde, man sollte weiterhin den Kinderwagen nach persönliche Präferenzen auswählen.
    Besonders solange bei den Tests nur so oberflächlich, einige wenige Modelle getestet werden und die Schwerpunkte so breit gefächert werden, statt sich auf ein Gebiet zu konzentrieren und dann vielleicht nicht alles zu testen aber dafür weniges gescheit.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Welchen Kinderwagen kaufe ich? [Auswertung der Blogparade] - 18. Januar 2010

    […] Du Dir ein einigermaßen deutliches Bild von dem gemacht was Du haben möchtest, kommt die Stiftung Warentest mit einem Testergebnis daher, das alle Wagen schlecht aussehen lässt und Du gar nicht mehr weißt was Du kaufen […]

  2. Welchen Kinderwagen kaufe ich? [Auswertung der Blogparade] | Papa Online - 14. Januar 2010

    […] hast Du Dir ein einigermaßen deutliches Bild von dem gemacht was Du haben möchtest, kommt die Stiftung Warentest mit einem Testergebnis daher, das alle Wagen schlecht aussehen lässt und Du gar nicht mehr weißt was Du kaufen […]

  3. Chris - 31. August 2009

    RT @PapaOnlineTweet: @sparbaby fragt: Welche Kinderwagen kann man noch kaufen? http://ow.ly/no0D. Dazu eine kurze Umfrage: http://ow.ly/no0v

  4. Andreas Lorenz - 31. August 2009

    @sparbaby fragt: Welche Kinderwagen kann man noch kaufen? http://ow.ly/no0D. Dazu eine kurze Umfrage: http://ow.ly/no0v Bitte mitmachen& RT.

  5. Chris - 30. August 2009

    Sparbaby.de: Kinderwagen Stiftung Warentest 2009: durchweg schlechte Test-Ergebnisse http://bit.ly/Tf9Ck

Schreibe einen Kommentar