Sind Stoffwindeln wirklich besser als Wegwerfwindeln?

In unserem heutigen Gastbeitrag vergleicht Lucas von croco.at Einwegwindeln und Stoffwindeln unter ökologischen Gesichtspunkten, die Unterschiede in der Ökobilanz sind gar nicht so deutlich, wie es auf den ersten Blick scheint:

Bei den Überlegungen, welche Windeln man zukünftig verwendet, geht es nicht nur um die leichte Handhabung, sondern vor allem um die Frage: Welche Windel ist umweltfreundlicher? Ganz so einfach ist dies aber nicht zu beantworten. Jede Windel hat ihre Vor- und Nachteile, auch unter dem Aspekt Umweltschutz. Will man diesbezüglichen Untersuchungen Glauben schenken, sollen Stoffwindeln in diesem Punkt genauso schädlich für die Umwelt sein wie das Einmalprodukt. Das sollte doch zu denken geben.

Warum gibt es keine deutlichen Unterschiede in der Ökobilanz? Diese bezeichnet den Weg von der Gewinnung der Rohstoffe über die Produktion bis zur Entsorgung der Windeln. Fakt ist, dass die Wegwerfwindel sehr energieintensiv hergestellt wird. Auch wenn Ökowindeln genutzt werden, sind diese nicht in der Biotonne, sondern im Restmüll zu entsorgen. Dann werden sie in der Müllanlage verbrannt, was die biologische Abbaubarkeit, mit der geworben wird, ad absurdum führt.

stoffwindel
(Foto: croco.at)

Bei Stoffwindeln fällt zwar die umweltschädliche Entsorgung weg, aber der Verbrauch von Ressourcen wie Wasser und Strom fällt auch ins Gewicht.

Der Waschmittelverbrauch ist sicherlich im Laufe der Jahre auch beträchtlich, wobei es da umweltschonende Varianten gibt. Dazu kommt, dass die Hilfe eines Windelreinigungsdienstes ökologisch etwas effizienter ist. Dieser kann durch die große Menge an Windeln rationeller waschen. Aber auch hier kommen die wöchentlichen Transportkosten dazu, die durch günstige Fahrtenpläne ökonomischer gestaltet werden können.

Was spricht noch für die Stoffwindel? Aus Erfahrungswerten weiß man, dass Kinder mit Stoffwindeln schneller trocken werden können, weil sie die Feuchtigkeit in Stoffwindeln intensiver spüren. So haben sie ein Interesse daran schneller aus den Windeln heraus zu kommen. Außerdem gibt es Studien, dass die Wärmeentwicklung in Einmalwindeln um ein bis zwei Grad höher ist als in Stoffwindeln. Gerade bei kleinen Jungs ist dieser Fakt sehr bedenklich, weil die Hoden dann zu warm gehalten werden. Ob sich das auf die Fruchtbarkeit auswirkt, muss noch geklärt werden.

Fazit: Alles in allem liegt die Stoffwindel im Vergleich doch vor der Wegwerfwindel, auch wenn das Handling geübt werden muss. Das spielt sich aber schneller ein, als man zu Beginn annehmen würde!

Anmerkung von Chris: Vielen Dank an Lucas für diesen aufschlussreichen Beitrag. Was es an Stoffwindeln so alles gibt und wie so ein Set aus Stoffwindel und Windelhöschen überhaupt aussieht, könnt ihr euch auch bei croco.at in der Rubrik Windeln anschauen.

Hier schreibt Gastautorin Daniela über Stoffwindeln im Alltagstest

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Antworten auf

  1. Christian 27. Juni 2011 an 18:00 #

    Bei der Kostenberechnung sollte man auch die Feuchttücher mit einkalkulieren. Wir nutzen Stoffwindeln mit Waschlappen, die wir gemeinsam einmal die Woche bei 95° und mit Essig statt Weichspüler waschen. Angenehmer Nebeneffekt für die Waschmaschine: Trotz Verzicht auf Kalklöser glänzt und blitzt alles ;). Wir waschen auch unsere Geschirrtücher gleich mit, so das man den Waschaufwand nicht zu 100% anrechnen kann.

    PS Der Essig soll zusätzlich die Hautverträglichkeit erhöhen.

    Gegen das Argument „eklig“: Wir verwenden Windelvlies (ein sehr dünnes „Papier“), welches mit den festen Ausscheidungen in die Toiletten geworfen werden kann. Theoretisch kann man diese Vliese auch einmal waschen, worauf wir aber verzichten. 100 Stück kosten ca. 5EUR.

    • Annelie 27. Juni 2011 an 18:45 #

      Also wir haben die Windeln meist nur bei 60 C° gewaschen und nur ganz selten mal bei 90 °C. Das Windelvlies haben wir auch mehrfach genutzt, wenn es nur nass wurde. Das hält mehrere Wäschen durch, bzw. ist früher oder später eh Stuhlgang drin und es kommt weg. Ansonsten haben wir auch Waschlappen genutzt. Wir waren sehr zufrieden.
      Unsere persönliche Berechnung (mit unseren Preisen für Wasser, Strom, Waschmaschinenverbrauch, Anschaffungskosten, Wegwerfwindel (mit div. Rabatten) …) ergab, dass sich die Stoffwindeln nach weniger als einem Jahr rentierten. Mittlerweile ist meine Große 2 und trocken. Kind Nummer 2 wird auch die Stoffwindeln tragen – noch mehr sparen *freu*

  2. Tina 27. Juni 2011 an 16:53 #

    Wir sind Überzeugungstäter was Stoffwindeln angeht. Haben uns ein amerikanisches System zugelegt – damit wird selbst in der Kita gerne gewickelt, weil es so SAUeinfach geht, ebenso wie Wegwerfwindeln. Dazu war es (neu!) äußerst günstig, Bio-Baumwolle, waschen geht ratz fatz, auf die Leine damit, 1-2 Tage trocknen, fertig. Wegwerfwindeln sind unsere Alternative für den Urlaub etc. aber daheim kommt nur Stoff an den Po. Für uns gibt es nix Besseres!

  3. heru 25. Juni 2011 an 20:22 #

    hier gibt es keinen Windeldienst, sonst wäre das schon eine Alternative gewesen. Wobei für mich die Frage offen blieb, welche Waschmittel da verwendet werden. Wir haben die Info bekommen, dass da aus hygienischen Gründen aggressivere zum Einsatz kommen als im Haushalt. Da hätte ich dann doch Bedenken gehabt, ich habe es aber mangels Windeldienst nicht nachprüfen können. Nachdem hier die Wegwerfwindeln gut vertragen werden (haben am Anfang auch hauptsächlich die Ökowindeln mit weniger Zusatzstoffen genommen), nehmen wir notgedrungen die Entstehung von Windelbergen in Kauf, da selber waschen dann zeitlich doch keine Option war. Preislich haben wir die Info bekommen, dass sich Windelsysteme lohnen, sobald man mehr als ein Kind hat.

  4. Jennifer McNabb Berendt 25. Juni 2011 an 09:39 #

    Mehr zum lesen
    http://www.naturwindeln.de/vorteile.php

    Ich habe meinen Sohn mit Stoffwindeln gewickelt und gerade meine Tochter. Ich habe keine Stoffwindeln gekauft seit sie geboren war, die sind noch von meinem Sohn. Er war mit 2,5 Jahre trocken.

    Ich habe ein bisschen mehr Geld ausgegeben für ein ‚One Size‘ System, weil der Aufwand mit falten war mir zu hoch. Schwer zu glauben aber gebrauchte Stoffwindeln lassen sich gut verkaufen.

    • Chris 25. Juni 2011 an 11:23 #

      Hi Jennifer, danke für den interessanten Link, sehr gute Zusammenfassung, gleich mal gebookmarkt :-)

  5. HoneyDeLuxe 24. Juni 2011 an 15:15 #

    Wir nutzen Pampers, weil mein Mann hauptsächlich wickelt – und er klar gegen Stoffwindeln ist.

    Ein Argument GEGEN Wegwerfwindeln ist das erhöhte Müllaufkommen, dass man leicht unterschätzt. Als wir noch in einer Mietwohnung in einem Mehrparteienhaus wohnten, haben wir immer Beistellsäcke nur für unsere Pampers gekauft, weil die gar nicht in die Mülltonne gepasst hätten. Und als einer von vielen Mietern kann man nicht einfach eine zweite Mülltonne beantragen, weil alle die Kosten mittragen müssen.

    • Chris 24. Juni 2011 an 20:02 #

      Da geb ich Dir recht – bei uns im Haus hatten wir bis vor kurzem 5 Kleinkinder, so schnell kann man gar nicht gucken wie die Tonne voll ist..

    • Sabrina 25. Juni 2011 an 10:27 #

      Also wir haben Zwillinge, und wir bekommen alleine schon in 2 Wochen eine große Restmülltonne (120 l oder so) voll :-p

  6. Mama M&M 24. Juni 2011 an 13:55 #

    Meine Lehre(Krankenschwester) ist zwar schon etwas her, aber uns wurde gesagt, daß Stoffwindel die Umwelt und den Geldbeutel bedeutend mehr belasten als Wegwerfwindeln. Das schlimme sind natürlich die riesen Müllberge, was wir zur Zeit wieder live haben. Ich weiß, daß in Chemnitz die Windeln in die BIO-Tonne geworfen werden können, was mich sehr verwundert hat. Leider muß ich sie im Restmüll entsorgen (ca. 20 km weiter weg), frag mich schon wie so was sein kann.

    • Chris 24. Juni 2011 an 20:10 #

      Windeln sind entgegen anders lautenden Gerüchten immer noch nicht kompostierbar. Da wir selbst Bekannte in Chemnitz haben, hab ich interessehalber mal nachgeschaut. Auch dort dürfen die Windeln nicht (mehr?) in den Bio-Müll geworfen werden: http://www.asr-chemnitz.de/Abfallentsorgung/Bioabfall/Was_ist_Bioabfall.htm – es ist allerdings in vielen Orten ein Problem, das die Leute alles mögliche in den Biomüll entsorgen. Da muss dann teuer wieder auseinander sortiert werden..sicherlich nicht die angenehmste Aufgabe.

  7. Isabel 24. Juni 2011 an 12:54 #

    Ich habe lange über Stoffwindeln nachgedacht, da ich aber nur ein Babyjahr machen konnte habe ich mich für Wegwerfwindeln entschieden. Ich selbst bin mit Stoffwindeln gewickelt worden und finde das Argument der eventuellen Förderung der Unfruchtbarkeit bei Jungen durch Wegwerfwindeln sehr bedenklich, gerade wo es immer mehr Jungen trifft u. a. durch Einnahme der Pille in der Stillzeit und der nicht in Kläranlagen herausfilterbaren Pillenhormone im Trinkwasser, durch Weichmacher in PET Flaschen, durch Weichspüler usw.

  8. Joe 24. Juni 2011 an 12:24 #

    Also ich finde Stoffwindeln einfach nur ekelig.

  9. Anna 24. Juni 2011 an 10:52 #

    Ein Preisvergleich wäre noch ganz schön gewesen..

    • Chris 24. Juni 2011 an 12:38 #

      Hi Anna,
      danke für die Anregung. Ich werde mal versuchen, das auf den Monat und das Jahr auszurechnen und auch ein paar Preise bei gängigen Stoffwindel-Starterpaketen zu vergleichen, gute Idee!

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