Corona: Alles Wichtige zum Thema Schwangerschaft, Geburt und Stillen

Die Unsicherheit im Umgang mit dem Coronavirus ist groß. Gerade Schwangere und (werdende) Eltern sind extrem beunruhigt. Wie gefährdet sind Mutter und Kind? Dürfen Väter zur Geburt mit in den Kreißsaal? Und sollte ich mein Kind stillen -auch, wenn ich vielleicht infiziert bin? Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengetragen – basierend auf den Empfehlungen von Experten wie der WHO, dem Bundesministerium, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, dem RKI sowie weiteren Fachleuten.

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Zählen Schwangere zur Risikogruppe?

„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es international keinen Hinweis, dass Schwangere durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung.“

Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF)

Weiterhin heißt es laut des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), dass mit hoher Wahrscheinlich die große Mehrheit der schwangeren Frauen nur leichte oder mittelschwere Symptome, ähnlich einer Erkältung beziehungsweise Grippe, aufweisen werden. Zur Risikogruppe zählen hingegen ältere Menschen und/oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Langzeiterkrankungen – bei ihnen scheinen schwerwiegende Symptome wie eine Lungenentzündung häufiger zu sein. Liegen jedoch bereits vor der Schwangerschaft bestehende Herz- oder Lungenerkrankung vor, könnten im Fall einer Infektion mit Covid-19 eher Komplikationen eintreten.

Wer darf mit in den Kreißsaal?

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Die Besuchsregelungen für Krankenhäuser sind derzeit streng. Lediglich Kinder unter 16 Jahren und Schwerkranke dürfen derzeit (eingeschränkt) Besuch empfangen. Verständlicherweise haben nun viele Schwangere und werdende Väter Angst, was das für die Geburt und das Wochenbett des eigenen Kindes bedeutet – denn eine Geburt ohne den/die Partner/in ist für viele unvorstellbar. Vor allem, wenn es das erste Kind ist.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) äußerte sich diesbezogen und teilte mit, dass eine Geburt mit dem/der Partner/in möglich sein muss – das gilt auch für einen Kaiserschnitt. Vorausgesetzt natürlich, der/die Partner/in zeigt keine Corona-Symptome. Auch Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) teilt diese Ansicht. Weiterhin darf eine Klinik schwangere Frauen nicht zu einer vorzeitigen Einleitung, zum Kaiserschnitt oder nach der Geburt zu einer Trennung des Kindes zwingen. Das bestätigte auch die ÄrzteZeitung. Nach der Geburt müssen stark eingeschränkte Besuchsmöglichkeiten jedoch in Kauf genommen werden.

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Viele Krankenhäuser setzen diese Empfehlung auch um. In der „Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus in Berlin“ heißt es beispielsweise:

Gebärende dürfen sich zur Geburt in einem Krankenhaus von einer Person eigener Wahl begleiten lassen. Neugeborene und deren Mütter dürfen einmal am Tag von einer Person für eine Stunde Besuch empfangen, allerdings nicht von Kindern unter 16 Jahren (ausgenommen Geschwister des Neugeborenen) oder von Menschen mit Atemwegsinfektionen.

Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus in Berlin, 2. §6 (5)

Dennoch erreichen uns viele Meldungen, dass einige Kliniken die Anwesenheit des Partners während er Geburt sowie während des Kaiserschnitts verbieten. Dies entspricht jedoch weder den Empfehlungen der DGGG noch der der Weltgesundheitsorganisation, die eine Begleitperson ausdrücklich befürworten.

Verdacht auf Corona: Sollte ich mein Baby stillen?

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Das Stillen wird weiterhin empfohlen. Sowohl das Bundesministerium für Ernährung sowie die DGGG rät und die Nationale Stillkommission raten zum Stillen. In einer Stellungnahme heißt es:

In Muttermilch von infizierten Frauen wurden bisher keine Erreger von COVID-19 nachgewiesen, wenn auch die Untersuchungen sich noch auf eine sehr kleine Fallzahl beziehen. Daher gibt es aktuell keine wissenschaftlichen Belege, dass COVID-19 über die Muttermilch übertragen werden kann. Hauptrisikofaktor für eine Übertragung beim Stillen ist der enge Hautkontakt. Die Vorteile des Stillens überwiegen, so dass das Stillen unter Einhaltung der erforderlichen Hygienemaßnahmen empfohlen wird.

Nationale Stillkommission

Infizierte Mütter oder Verdachtsfälle sollten beim Stillen durch Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind und durch das Tragen eines Mundschutzes eine Übertragung des Virus durch Tröpfcheninfektion verhindern.

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Auch Der Internationale Stillverband La Leche League International (LLLI) rät dazu, Kinder weiterhin zu stillen – auch wenn man infiziert ist. In einer aktuellen Stellungnahme schreibt der Verband, dass gestillte Babys in den meisten Fällen gesund bleiben, auch wenn ihre Eltern oder andere Familienmitglieder an einer Infektionskrankheit erkranken. Säuglinge würden außerdem von den in der menschlichen Milch enthaltenen Antikörpern profitieren, insbesondere durch direktes Stillen.

„Mütter, die sich kurz vor der Geburt infizieren und dann mit dem Stillen beginnen, und Mütter, die sich in der Stillzeit infizieren, produzieren spezifische sekretorische IgA-Antikörper und viele andere kritische Immunfaktoren in ihrer Milch, um ihre gestillten Säuglinge zu schützen und die eigenen Immunreaktionen ihrer Kinder zu verstärken. Zu diesem Zeitpunkt unterstützen diese immunologischen Faktoren den Körper der Säuglinge dabei , effektiver auf Exposition und Infektion zu reagieren. Die Einhaltung guter Hygienepraktiken trägt auch dazu bei, die Übertragung des Virus zu reduzieren.“

La Leche League International (LLLI)

Außerdem rät der Verband, das direkte Stillen nicht zu unterbrechen, wenn eine bereits stillende Mutter zu einem späteren Zeitpunkt erkrankt. Da das Kind in diesem Fall sowieso bereits von der Mutter und/oder der Familie mit dem Virus in Kontakt gebracht wurde, profitiert es am meisten von der Fortsetzung des direkten Stillens. Eine Unterbrechung des Stillens könnte demnach das Risiko des Säuglings sogar erhöhen, krank zu werden oder gar schwer zu erkranken.

Laut LLLI könnte eine Stillpause zu folgenenden verschiedenen Problemen führen:

  • signifikantes emotionales Trauma für das stillende Baby oder Kleinkind,
  • ein Rückgang des Milchangebots aufgrund der Notwendigkeit, Milch auszudrücken oder abzupumpen,
  • spätere Brustverweigerung des Säuglings aufgrund der Fütterung durch die Flasche,
  • eine Abnahme der schützenden Immunfaktoren aufgrund des Mangels an direktem Stillen und abgepumpter Milch, die nicht den Bedürfnissen des Säuglings zu einem bestimmten Zeitpunkt entspricht, und
  • ein erhöhtes Risiko, dass der Säugling aufgrund fehlender Immununterstützung durch das direkte Stillen erkrankt.

Wie groß ist die Gefahr, dass Kinder am Coronavirus erkranken?

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Da der Virus noch neu ist, weiß man leider noch nicht viel über ihn. Nach aktuellem Wissen ist es jedoch möglich, dass sich alle Altersgruppen mit dem Virus infizieren können. Allerdings sind bisher nur sehr wenig Fälle von Kindern bekannt, die an COVID-19 erkrankten. Schwere Krankheitsverläufe löst der Virus nur in selten Fällen aus, hauptsächlich bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen. (Quelle: UNICEF, RKI, DGGG)

Quellen: