Rückruf: Krebserregende Stoffe in Bio-Babytees entdeckt

Sie stammten aus dem Discounter, den Apotheken und Drogerien: Das ZDF-Magazin „WISO“ testete 19 Kräuter- Babytees in einem unabhängigen Labor. Dabei wurden in vier Produkten krebserregende Stoffe in teilweiser hoher Dosierung gefunden. Die Tees enthielten so genannte Pyrrolizidinalkaloide (PAs).

19 Babytees wurden getestet mit erschreckendem Ergebnis © ZDF/Michael Garrett

19 Babytees wurden getestet mit erschreckendem Ergebnis © ZDF/Michael Garrett

Laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) kann dieses Pflanzengift den Organismus schädigen und bei langer und hoher Dosierung Lebertumore verursachen. „Diese Pyrrolizidinalkaloide, diese PAs sind genotoxisch, das heißt erbgutverändernd, sie sind krebserzeugend und sie können fruchtschädigend, also fetotoxisch, schädigend für das ungeborene Leben sein“, erklärt der PA-Experte Dr. Helmut Wiedenfeld von der Universität Bonn dem ZDF.

Pflanzengift in Babytee und Kräuter kann krebserregend sein (© Thinkstock)

Pflanzengift in Babytee und Kräuter kann krebserregend sein (© Thinkstock)

Diese Stoffe gefährden ganz besonders die Gesundheit von Säuglingen und Kleinkindern. Denn der Körper von Kindern schwemmt das  Pflanzengift nicht aus, sondern speichert es. Daher sei für sie das Risiko zu erkranken zehn- bis hundertfach höher als bei Erwachsenen, so Dr. Helmut Wiedenfeld. Die WISO-Ergebnisse schockieren den Experten, denn der PAs Gehalt eines Produktes liegt sogar siebenfach über der empfohlenen Höchstmenge für Erwachsene. „Katastrophal und erschreckend – etwas anderes fällt mir dazu nicht ein. Das ist ein Zustand der überhaupt nicht hingenommen werden darf.“

Es gibt noch keine gesetzlichen Grenzwerte für PAs, obwohl auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Jahren vor den langfristigen Folgen auch nur kleiner Mengen des Pflanzengifts ausdrücklich warnt. Für Hersteller gibt es nur eine Empfehlung, die Erntepraxis zu kontrollieren und international anerkannte Höchstmengen nicht zu überschreiten. Nicht die Teeblätter selbst enthalten die Pyrrolizidinalkaloide , Pflanzen wie Jakobskreuzkraut, die als Unkraut zwischen den Teeblättern wachsen, geraten leicht in die Ernte.

Die mit Abstand am stärksten betroffenen Baby-Tees sind beides Bioprodukte: der Sonnen-Kind-Babytee von Sonnentor und der Baby-Kräuter-Tee von Alnatura. Die Hersteller haben sofort reagiert und die belastete Charge aus dem Handel genommen. Sonnentor ruft die betroffene Ware auch zurück.

Baby-Tee im Test – Ergebnisse der ZDF Wiso-Stichproben, Bericht vom 3.11.2014

Sonnentor/Sonnenkind Babytee Bio-Bengelchen1935 µg/kg2,9 µg/Tasse
Alnatura, Baby Kräuter-Tee700 µg/kg1,4 µg/Tasse
Lebensbaum, Baby Bäuchleintee224 µg/kg0,3 µg/Tasse
Salus, Babytee Kräutertee35 µg/kg0,06 µg/Tasse
Alnatura, Baby Fenchel-Tee ab 2. Wochenichts enthaltennichts enthalten
Bebevita, Erster Fencheltee ab 1. Woche (Instant)nichts enthaltennichts enthalten
dm/Babylove, Bio Babytee Fenchelnichts enthaltennichts enthalten
Dr. Kottas, Bio Baby Teenichts enthaltennichts enthalten
Hipp, Baby Wohlfühl Tee ab 1. Woche (Instant)nichts enthaltennichts enthalten
Hipp, Bio-Fenchel-Teenichts enthaltennichts enthalten
Hipp, Fenchel Tee ab 6. Monat (Instant)nichts enthaltennichts enthalten
Hipp, Kamillen-Tee ab 6. Monat (Instant)nichts enthaltennichts enthalten
Humana, Babys Bauch Tee nach der 1. Lebenswoche (Instant)nichts enthaltennichts enthalten
Lebensbaum, Baby Kräuterteenichts enthaltennichts enthalten
Milupa, Baby-Tee milder Bauchwohl-Tee (Instant)nichts enthaltennichts enthalten
Nestlé/Alete, NaturNes Baby Fenchelteenichts enthaltennichts enthalten
Rossmann/Babydream, Bio Babytee Fenchelnichts enthaltennichts enthalten
Rossmann/Babydream, Bio Baby-Kräutertee Schlaf gut Teenichts enthaltennichts enthalten
Sidroga, Bio Säuglings- und Kinderteenichts enthaltennichts enthalten
Quelle: Ergebnisse der ZDF Wiso-Stichproben, Bericht vom 3.11.2014
http://www.zdf.de/wiso/gift-in-babytee-krebserregende-pflanzengifte-35689858.html

In einer Stellungnahme erläutert Alnatura, das die Pflanzengifte in eigenen Tests nicht nachgewiesen werden konnten und erklärt, wie es zu PA-haltigen Beikräutern bei der Teeernte kommen kann.

Den ausführlichen Testbericht und Stellungsnahmen der Hersteller sind bei zdf.de zu lesen. Der TV-Beitrag ist auch in der ZDF Mediathek kostenkos verfügbar.

Antworten auf

  1. DD 7. November 2014 an 09:38 #

    Sehr viele Planzen enthalten von Natur aus PA um sich vor Fraßfeinden zu schützten. Das hat nicht mit chemischen Dünger oder sonst was zu tun. Wenn auf dem Kräuterfeld jetzt ein paar Unkräuter stehen werden die natürlich mitgeerntet.

    Bei nicht Bio-tees sind natürlich keine Unkräuter dabei, da alles andere weggespritzt wird, dafür sind dann (für Mensch und Natur sicherlich giftigere) Pestizide drinnen…da frag ich mich schon warum das im Artikel nicht erwähnt wird…

    Man sollte da nicht in Panik geraten: PA ist nur schädlich wenn es über Jahre in hohen dosen eingenommen wird. Bei Bio-Tees kann mal was drinnen sein, wenn mal ein paar Unkräuter mitgeerntet werden, in der Regel werden die aber eh schon vom Bauer am Feld entdeckt und ausgezupft. Bei Sonnentor wurden dann anscheinend alle andere Proben negativ auf PAs getestet.

  2. Saberina 7. November 2014 an 00:01 #

    Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind nicht chemischen Ursprungs oder Bestandteil von (chemischen) Dünger, sondern „giftige“ Inhaltsstoffe der Bei/Unkräuter. Das Bei/Unkraut wird mitabgeerntet, der Tee enthält das Bei/Unkraut als Verunreinigung und damit auch PA.

  3. siren 6. November 2014 an 23:11 #

    Verstehe ich nicht: wie kommt Pflanzengift in Unkraut, dass zwischen Biopflanzen wächst? Biotee muss doch auch ohne chemische Dünger und Pestizide hergestellt sein und das gilt ja wohl für das gesamte Feld?

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