Stoffwindeln im Alltagstest

Der folgende Artikel ist ein Gastbeitrag von Daniela Remisch. Sie hat für uns Stoffwindeln im Alltag mit Baby getestet.

Das wohl grundlegendste Zubehör zum Baby – die Windel. Für die meisten stellt sich bei der Anschaffung nur die Frage, für welche Marke man sich entscheidet, oder bei welchem Supermarkt man am besten dafür einkauft. Dabei bleibt eine weitere Option oft auf der Strecke: Waschen oder Wegwerfen? Stoff oder Plastik?
Die Stoffwindel in ihrer modernen Version muss sich heute lange nicht mehr hinter ihrer Einweg-Schwester verstecken. Ich wollte wissen, ob die einzige Alternative zum Müllberg tatsächlich ein Wäschechaos sein muss und habe nach erster Lektüre den Selbsttest am Baby gestartet.

Stoffwindeln im Test

Stoffwindeln im Test © Thinkstock

Die Meisten, die sich zum Thema Stoffwindeln informieren möchten sind anfangs, so wie ich noch unentschieden womit am Ende gewickelt werden soll. Mit mittelmäßig ausgeprägtem ökologischem Bewusstsein wollte ich versuchen, meinen Hausmüll mit Wegwerfwindeln nicht zu verdreifachen. Aber für manch einen kann auch in finanzieller Hinsicht das Wickeln mit Stoff interessant werden und spätestens beim Thema Hautverträglichkeit kommt man um die Stoffwindel manchmal gar nicht mehr herum.

Bei der Überlegung, Stoffwindeln zum Wickeln zu benutzen und diese nach dem Waschen wiederzuverwenden, türmten sich vor meinem inneren Auge Wäscheberge und ich erinnerte mich an Geschichten, die man von „früher“ erzählte, als man Windeln wirklich kochen musste, um sie anschließend dann den ganzen Abend lang zu falten.

Stoffwindeln in drei Farben

Stoffwindeln in drei Farben mit Druckknopfverschluss © Thinkstock

Zahlen

Wie umweltschonend kann Wickeln noch sein, wenn ständig die Waschmaschine läuft? Im Vergleich zu dem Müll, den Wegwerfwindeln verursachen, lässt sich das schwer beantworten.

Erschrocken las ich, dass ein Kind nach 2,5 Jahren ca. 1 Tonne Windelmüll produziert. Dies entspräche einem 5 Meter hohem Windelberg, von dem einige Bestandteile bis zu 500 Jahre brauchen, um abgebaut zu werden. Wie viel Energie zur Herstellung jeder neuen Wegwerfwindel benötigt wird, ist von Seiten der Hersteller nicht bekannt.

Eine Stoffwindel besteht im besten Fall zum Beispiel aus Baumwolle aus kontrolliert biologischen Anbau (kbA). Sie passt meist von der Geburt bis zum Trocken werden und kann darüber hinaus für Geschwisterkinder weiter benutzt werden.

Stoffwindeln und Wegwerfwindel im Vergleich

Wegwerfwindeln oder Stoffwindeln © Thinkstock

Ausgehend von einer Wickelzeit von 3 Jahren kauft man Windeln zum Beispiel bei Aldi im Wert von etwa 840 Euro und das bei jedem Kind wieder.

Je nach Wickelsystem bekommt man ein vollständiges Set an Stoffwindeln neu bereits für 160 Euro. Das mittlere Preissegment liegt bei etwa 280 Euro. Möchte man viel Geld ausgeben und in große Sets der namhaften Hersteller investieren, zahlt man immer noch nur die Hälfte im Vergleich zur Wegwerfwindel. Ersteigert man die Windeln gebraucht, ist es entsprechend günstiger.

Neben den ökologischen und ökonomischen Argumenten für die Stoffwindel, beschreiben einige Eltern, dass bei besonders empfindlicher Haut des Babys, die Stoffwindel der letzte Ausweg war, da sämtliche Wegwerfwindeln Wundsein und Ausschläge verursachten. Andere sind der festen Überzeugung, ihre Kinder seien eher trocken geworden, weil sie mit Stoff gewickelt wurden. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass es Stoffwindeln gibt, die einfach unfassbar schick an Babys Hinterteil aussehen.

Stoffwindeln im Alltagstest

Stoffwindeln   Foto: Daniela Remisch

Die Entscheidung, den Stoffwindeln eine Chance zu geben, war für uns getroffen. Nun stellten sich mir jedoch gleich eine ganze Reihe grundlegender Fragen. Die Verwendung von Wegwerfwindeln hatte ich bereits oft genug beobachten können, musste aber zugeben, dass ich den Alltag mit Stoffwindeln tatsächlich noch nie gesehen hatte. Nach ersten Recherchen im Internet wurde mir schnell klar, dass mit Stoffwindeln wickeln gar nicht mehr heißen muss, Mullwindeln nach Origami – Art zu falten, mit Sicherheitsnadeln zu fixieren und in Gummihosen zu stecken.

Letztlich brachte es jemand in einem Forenbeitrag auf den Punkt: eine Windel hat zwei Funktionen. Sie soll Feuchtigkeit aufnehmen und diese nicht an die Kleidung abgeben. Demnach besteht jede Windel -auch die Wegwerfwindel- im Grunde aus zwei Komponenten. Am Kind eine Lage, die saugt und danach eine wasserabweisende Schicht. Man könnte dem Nachwuchs also theoretisch auch ein Geschirrtuch um den Po knüllen und mit einer Plastiktüte verschnüren – das geht aber auch eleganter.

Die verschiedenen Wickeltechniken unterscheiden sich darin, wie man die beiden Komponenten am Kind befestigt. Die unterschiedlichen Hersteller konkurrieren vor allem in Passform und den verwendeten Materialien.

stoffwindeln im Alltagstest

Unterschiedliche Stoffwindeln Foto: Daniela Remisch

Es gibt ein breites Angebot an unterschiedlichen Windelsystemen, Wickeltechniken, Herstellern und sogar verschiedene Versionen einer Stoffwindel.
Für welche Technik man sich entscheiden sollte und welcher Hersteller die Lieblingswindel produziert, ist letztlich Geschmackssache.

Tipp: Sinnvoll ist es, sich z.B bei Ebay verschiedene Systeme und Produkte zu beschaffen und sie einfach auszuprobieren, statt für 400 Euro ein Starterpaket von einem teuren Markenhersteller zu kaufen.

Wie sitzt die Stoffwindel?

Hierbei sind vor allem Beinbündchen, Bauch und Rücken zu kontrollieren. Dort sollte die Windel dicht abschließen, ohne allzu sehr einzuschneiden. Stoffecken, die heraus schauen, oder gar offene Laschen ziehen Flüssigkeit aus der Windel in die Kleidung (oder sogar die Kleidung in die Windel, bei Strumpfhosen zum Beispiel). Bündchen geben immer Druckstellen, auch bei Wegwerfwindeln.

Bleiben diese rot, oder werden sogar wund, stimmt die Passform nicht. Dabei sollte man auch prüfen, ob man beim Wickeln vielleicht fester schnürt, als wirklich notwendig ist. Außerdem sollte man natürlich die richtige Größe wählen. Man kann sich hier bei den meisten Herstellern für Eingrößenwindeln (One-Size) oder Mehrgrößenwindeln entscheiden.

Unterschied Ein- und Mehrgrößenwindeln

Mehrgrößenwindeln können mitwachsen. Sie werden meist über Druckknöpfe in der Passform verstellt. Der Vorteil: Sie können über die gesamte Wickelzeit genutzt werden. Eingrößenwindeln passen für einen bestimmten Zeitraum. Die Größenangabe erfolgt oft in Kilogramm. Hier muss man natürlich nach einer gewissen Zeit für Ersatz sorgen, was zusätzliche Kosten bedeutet. Dafür sitzt eine Windel zum Beispiel in Größe S bzw. für 4-9 kg in der Regel immer gut.

Und: eine Windel, die dem Neugeborenen nicht ganz passt, wird unter Umständen ein bis zwei Monate später zur Lieblingswindel, die wie angegossen sitzt. Die Anatomie des eigenen Babys und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert, ist hier entscheidend. Ein Grund mehr, verschiedene Systeme zu probieren und im Laufe der Zeit immer mal wieder zu wechseln.

Baby mit Stoffwindel

© Thinkstock

Ist die Stoffwindel wirklich dicht?

Es hält sich beständig der Eindruck, dass Stoffwindeln nicht so dicht sind wie Wegwerfwindeln. Es stimmt schon, dass man die meisten Wegwerfwindeln ohne große Übung anlegen kann und sie halten in der Regel die meiste Belastung aus. Wird eine Stoffwindel undicht, liegt es meistens daran, dass sie nicht richtig angelegt wurde, oder man zu lange mit dem Windelwechsel gewartet hat. Seltener kann es sein, dass die Windel falsch gewaschen wurde, oder einfach zu neu ist, denn die meisten saugenden Materialien werden mit jedem Waschgang effizienter. Dabei können einige Windeln bis zu 10 Wäschen benötigen, um ihre volle Saugkraft zu entfalten. Sie werden mit dem Alter also besser.

Und auch hier sollte man die Veränderung beim eigenen Kind beobachten. Was eine Stoffwindel aushalten muss, hängt schließlich auch davon ab, ob das Baby noch gestillt wird, bereits Beikost oder feste Nahrung bekommt, ob eine Nachtwindel 2 oder 12 Stunden aushalten muss und wie mobil das Kind bereits ist.

Wie praktisch ist das Wickelsystem in der Handhabung?

Hinter der Bezeichnungen All-in-One (Alles-in-Einem) und Pocketwindeln (Taschenwindeln) verbergen sich Windelsysteme, die sich beim Anlegen nicht oder nur kaum von den Wegwerfwindeln unterscheiden. Hier wetteifern die Hersteller um beste Passformen, starke Saugleistung und schicke Designs.

All-in-One können auch vom Babysitter, Tagesmutter und Omi angelegt werden. Jeder, der schon mal gewickelt hat, kommt damit zurecht. Deshalb sind diese Windeln häufig auch etwas teurer in der Anschaffung und kosten je nach Hersteller zwischen 15 und 28 Euro pro Windel.

All in One Stoffwindel Imse Vimse

All-in-One Stoffwindel von ImseVimse Foto: Daniela Remisch

Sie werden durch Klettverschlüsse oder Druckknöpfe verschlossen. Klettverschlüsse lassen sich stufenlos verschließen und haben eventuell beim Anlegen einen Geschwindigkeitsvorteil. Dafür kann es trotz Wäscheschutz, über die diese Windeln in der Regel verfügen, nach dem Waschen eine lange Windelkette geben, die man aus der Waschmaschine zieht, weil die Verschlüsse nicht immer an der Windel bleiben, zu der sie gehören. Klettverschlüsse verlieren irgendwann ihre Haltekraft. Vielleicht nicht beim ersten Kind, aber am Ende der Wickelzeit biegen sie sich schon nach außen. Außerdem entdeckt auch Baby irgendwann, dass es eine schicke Windel trägt und lernt Klettverschlüsse schnell selbst zu öffnen.

Stoffwindel Unterschied Druckknopf / Klettverschluß

Die Stoffwindel mit Druckknöpfen oder Klettverschlüssen Foto: Daniela Remisch

Druckknöpfe empfinden manche in der Handhabung etwas aufwändiger. Manchmal vermisst man eine Zwischenstufe für optimale Passform. Dafür halten sie lange. um Verkettungen in der Waschmaschine muss man sich nicht sorgen. Beide Verschlüsse haben in der Praxis Bestand und man kann hier nach persönlichem Gefallen entscheiden. Die meisten Hersteller bieten ihr Windel – Vorzeigemodell mit beiden Verschlussarten an.

Neben dem höheren Preis für die einzelne Windel, kann auch die längere Trocknungszeit der All-in-One nach dem Waschen nachteilig sein. Die ist bei der alltäglichen Waschroutine nämlich entscheidend.

Pocketwindeln schneiden dabei schon deutlich besser ab, da man den Saugkern immer getrennt von der Windel wäscht und trocknet. Der Saugkern wird dann vor dem Wickeln wieder in die Windel reingelegt.

pocketwindeln

Pocketwindeln  Foto: Daniela Remisch

All-in-ones und Pocketwindeln auf einen Blick

All-in-ones Pocketwindeln
Unterschiede Windelsystem mit integriertem Saugkern Saugkern wird getrennt von Windel gewaschen und getrocknet.
Vorteile Kann auch von ungeübten
Personen wie Babysitter, Erzieher in Kita angelegt werden
Trocknet schneller, günstiger als All-in-ones
Nachteile Höherer Anschaffungspreis, längere Trocknungsdauer Mehr Aufwand beim Einlegen des Saugkerns. Erfordert Übung.

Wenn der Saugkern getrennt vom Auslaufschutz an des Kind angebracht wird, können diese Windeln je nach Wickelsystem viele verschiedene Bezeichnungen haben. All-in-Two (Alles-in-Zweien), All-in-Three (Alles-in-Dreien), Hybridwindel, Höschenwindel mit Überhose, Bindewindel, Einlagewindel und weitere.

Zentraler Unterschied zu Pocketwindel oder All-in-One Windeln ist, dass man zusätzlich zur Windel eine Überhose benötigt. Diese kann zum Beispiel aus einem wasserdichten Synthetikstoff (genannt PUL) oder aus Wolle bestehen. Bindewindeln werden am Bauch des Babys zusammengebunden. Höschenwindeln verfügen meist selbst über Verschlüsse aus Klett oder Druckknöpfen. Wird der Saugkern der Windel an das Kind angelegt und mit der Überhose gehalten, benötigt man schon etwas Geschick und Übung. Es gibt aber auch kleine Hilfsmittel. Sogenannte Snappies ersetzen die nicht ganz ungefährlichen Windelnadeln und halten die Windel am Kind.

snappydiaper

Snappy für die Stoffwindel

Snappie Windelklammer

Windelklammern für Stoffwindeln

 

 

Der Selbstversuch am Baby

Am Anfang

Gesagt getan – Mit Neugeborenem zu Hause hat man in der Regel erst einmal anderes im Kopf, als den müllbedingten Klimawandel. Auch das Bedürfnis nach einer Windelwaschroutine hält sich in Grenzen. Ist das Thema Stoffwindeln jedoch Neuland, sollte man recht schnell erste Erfahrungen sammeln. Denn gerade beim ersten Kind lohnt es sich, alles rund um die Windel in den sich ohnehin komplett ändernden Alltag zu integrieren. Natürlich ist es nie zu spät, wenn man auf das Wickeln mit Stoff umsteigen möchte. Jedes Wickeln spart Müll.

Sind die ersten Wickelrunden gewagt, heißt es: Dran bleiben! Natürlich geht mal was daneben und der Windelberg der ersten Wochen kann schon beeindruckende Maße annehmen. Manchmal dauert das Wickeln eine gefühlte Ewigkeit – vor allem um drei Uhr morgens nach den ersten 20 Minuten Schlaf des Tages.

Daneben wirkt die Wegwerfwindel mit einem Mal wie die heilsbringende Erlösung und das Vorhaben, das Kind in Stoff zu packen wie eine fixe Idee aus der hormonverklärten Zeit der Schwangerschaft.

Ein Neugeborenes wird täglich ca. 10 Mal gewickelt. Eine Waschmaschinenladung Windeln entspricht je nach Gerät 20 Windeln. Im besten Fall läuft am Anfang alle zwei Tage ein Ladung Windeln in der Maschine, denn allzu lange sollte man feuchte Windeln nicht aufbewahren. Dazu kommt das Aufhängen, Abnehmen und je nach Windelsystem das Legen, Stopfen oder einfach nur Wegsortieren. Natürlich ist man da anfangs, wie mit jeglicher Hausarbeit im Wochenbett, für jede Hilfe dankbar. Am Besten hat man den Partner mit im Boot. Vielleicht hilft auch mal jemand aus der Familie oder dem Freundeskreis. Bald schon stellt man sicher fest, dass man auch Windelwäsche, zeitlich organisiert, gut bewältigen kann.

Der Alltag

Das Wickeln eines Neugeborenen bedarf wohl in jedem Fall etwas Übung. Nach dem ersten Monat hat man in etwa 300 Mal eine Windel geöffnet, den Inhalt entfernt, Babys Hinterteil gesäubert und wieder frisch eingepackt. Was am Anfang wie tagesfüllendes Programm anmutet, wird bald schon zur nebensächlichen Routine. Jedes Elternteil entwickelt seine Tricks und Kniffe. Das ist auch beim Wickeln mit Stoffwindeln nicht anders. Wie bei vielen Dingen im Leben, ist auch hier gute Vorbereitung der halbe Weg zum Erfolg.

Dazu gehört ein gut strukturierter Wickeltisch. Hierbei sollte man beim Wickeln mit Stoff folgendes bedenken: Stoffwindeln brauchen mehr Platz, als das Paket Wegwerfwindeln, dass sich schnell unter einen Schrank schieben lässt. Am Besten hat man neue Windeln griffbereit in einer Schublade nahe der Wickelstation sortiert. Die volle Windel sollte immer außerhalb von Babys Reichweite verschwinden können. Schmutzige Windeln landen im Windeleimer. Beliebt ist hier die sogenannte Oskar-Tonne, aber auch Modelle mit Pedal können sehr praktisch sein, wenn eine Hand am Baby ist und die andere eine volle Windel hält. In jedem Fall sollte ein Eimer mindestens 20 l, am Besten 25 l Fassungsvermögen haben.

In den Eimer kann man zusätzlich einen Windelsack aus PUL, den sogenannten „wetbag“, stülpen. Damit kann man die Windeln zum Waschen leicht entnehmen, den Inhalt des Sacks in die Maschine kippen und ihn von Zeit zu Zeit einfach mitwaschen.

Wetbag für gebrauchte Stoffwindeln

Wetbag für gebrauchte Stoffwindeln

Auf dem Wickeltisch bietet sich außerdem an, zwei Gefäße bereitzustellen, die abwaschbar sind. Eines dient dem sonstigen Abfall, das zweite ist mit Wasser gefüllt. Man kann natürlich Babys Po mit Feuchttüchern reinigen, die in Gefäß eins landen. Es lohnt sich aber durchaus, auch hier auf Stoff zu setzen und zur Reinigung Wasser zu nutzen. Der Handel hält hierfür Stofflappen in den passenden Maßen bereit, die man sogar in die üblichen Feuchttücher – Nachfüllboxen für unterwegs falten kann. Benutzte Lappen werden einfach mit den Windeln gewaschen. Mit einem Satz von 30 Tüchern kommt man im Alltag bequem zurecht.

Eine völlig berechtigte Frage ist, wie denn nun das Wickeln und Waschen genau funktioniert. Wohin vor allem mit dem Inhalt? Grausige Geschichten liest man im Netz von Gummihandschuhen, Kratzschabern und Windelduschen und möchte spätestens an dieser Stelle die Wegwerfwindel samt Inhalt in die Tonne werfen. Da bleibt alles schön sauber und ist aus den Augen und aus dem Sinn.

Nicht ganz, denn genau genommen trifft dieses Problem auch die Einwegwindel. Fäkalien gehören in Deutschland nicht in den Restmüll, sondern in die Kanalisation. Nur so ist das Grundwasser vor Verunreinigung und Krankheitserregern geschützt. Deshalb weisen einige Hersteller von Wegwerfwindeln auf der Verpackung darauf hin, dass der Windelinhalt in der Toilette zu entsorgen ist und erst dann die Windel in den Restmüll gehört.

Beim Wickeln mit Stoffwindeln kommt man dem ganz selbstverständlich nach. Für feste Bestandteile nutzt man gerne Windelvlies. Dieses wird zusätzlich in die Windel gelegt, besteht aus Zellstoff und kann mit über die Toilette entsorgt werden.

windelvlies

Windelvlies – Einlage für Stoffwindeln

Eine volle Stoffwindel wird über der Toilette oder einem Gefäß am Wickeltisch ausgekippt. Der Inhalt wird weggespült, die Windel kommt danach in die Waschmaschine.

 

Die Waschroutine

Wie man eine Windel am Besten wäscht, geben die Hersteller meist schon auf der Verpackung an. Oft liest man dort: Wäsche bei 40° oder 60° und wundert sich, warum Mütter und Großmütter immer vom Kochen der Windeln in großen Töpfen sprechen. Zudem werden gerne die herstellereigenen Waschmittel beworben, Weichspüler wird ausgeschlossen. Sucht man nach Hinweisen, wie man Windeln richtig wäscht, trifft man wieder auf eine Fülle an Informationen, die von den technischen Details einer Waschmaschine bis zum Chemie-Einsteiger-Kurs der Waschmittelzusätze reicht.

Kurz gesagt: Für die breite Menge an Baumwoll, Hanf und Bambuswindeln gilt, egal ob als Höschen, Einlage oder mit PUL verarbeitet zur All-in-One, wasche sie bei 60° mit Vorwäsche mit einem enzymfreien Waschmittel ohne Weichspüler. Trockne sie am Besten auf der Leine. Verwende keine Bleichmittel, außer Sonnenschein und verwende bei Mullwindeln kein Bügeleisen. All dies dient nicht nur dazu, dass die Windeln auf lange Sicht sauber und geruchlos bleiben. Auch die Sturktur des Stoffes wird nicht zerstört oder mit Waschmittelresten vollgesetzt. Dadurch wird die Saugleistung über kurz oder lang geringer und die Windel irgendwann undicht.

Stoffwindeln im Alltagstest

Die Waschmittel der Windelhersteller sind natürlich gut geeignet für alle Windeln, sie sind aber auch vergleichsweise teuer. Genauso verhält es sich mit Öko-Waschmitteln. Genau auf die eigene Waschmaschine, den Härtegrad des Wassers und die Wäschemenge abstimmen, kann man sein Waschmittel mit entsprechenden Baukastensystemen. Dabei muss man eine Weile testen, bis man sein Mischverhältnis gefunden hat. Wer es einfach möchte, auch gerne nachhaltig, ohne jedoch gleich das bis zu dreifache als für sein übliches Waschmittel ausgeben zu müssen, für den ist die Marke Sodasan ein echter Tipp. Hier kann man im Netz auch gleich größere Mengen bestellen – warum nicht gleich 5 kg an die Haustür liefern lassen und somit richtig sparen?!

Windeln müssen nicht ausgespült oder anderweitig vorbehandelt werden. Man sollte jedoch an seiner Waschmaschine die Vorwäsche aktivieren, damit die Waschladung einmal mit Wasser vorgespült wird, bevor der eigentliche Waschgang beginnt. Wer sich für Wolle als Überhose entschieden hat, muss beachten, dass diese natürlich nicht mit in die 60° Wäsche gelangt und in größeren Abständen mit Wollfett nachbehandelt werden muss.

Gerade am Anfang der (Stoffwindel-)Wickelzeit nimmt das Waschen etwas mehr Zeit in Anspruch. Da ein Neugeborenes häufiger gewickelt wird und man auch erst seine eigene Routine finden muss. Dabei unterschätzt man schnell zum Beispiel die Trocknungszeit, die bei einigen Windeln (in der Wohnung im Winter) auch mal bis zu zwei Tage beträgt. Pocketwindeln müssen zudem gestopft werden. Geübte sollten dafür schon 20 Minuten für 20 Windeln einplanen. Für den Wäschenotfall kann man eine kleine Packung Wegwerfwindeln parat halten. Auch hier gibt es Hersteller, die auf Superabsorber verzichten und ungebleichten Zellstoff verwenden, der nachhaltig gewonnen wird. Oder man wagt doch mal einen Blick in die Faltanleitung für Mullwindeln, schnappt sich einen Snappy und eine Überhose und überbrückt so die Zeit, bis die schicken All-in-Ones wieder trocken sind.

Die Stoffwindel unterwegs

Natürlich ist die Stoffwindel nicht nur für die Ausnahme zu Hause geeignet. Die etwas teureren Modelle an Überhosen oder gar All-in-Ones bieten teilweise so schicke Muster und Farben, dass man diese im Sommer sogar gern spazieren tragen möchte. Aber auch ganz alltäglich ist das Wickeln mit Stoff unterwegs genauso gut oder eben schlecht möglich. Voraussetzung ist die entsprechende Vorbereitung.

Eine Wickeltasche mit ausreichend Platz ist unabdingbar. Im besten Fall verfügt sie über zwei große Teile oder hat eine Innentasche, die möglichst wasserabweisend beschichtet ist. Mal eben eine schmale, flache Wegwerfwindel in die Handtasche gestopft entfällt dabei. Benutzte Windeln kann man natürlich in einer Tüte oder einem Beutel mit zurück nehmen. Angenehmer ist aber auch hier wieder ein etwas kleinerer „wetbag“, also ein Beutel aus PUL, der für unterwegs mit einem Reißverschluss versehen sein sollte. So ist alles auslauf- und geruchssicher verpackt.

Urlaub mit Stoffwindeln

Die Zeiten, in denen man sich im Urlaub rundum bedienen lassen kann, gehören mit Kind ohnehin erstmal der Vergangenheit an. Das Wegfahren gehört sicher zu den Situationen, in denen man am stärksten mit dem Unterschied zwischen der Verwendung von Stoff- oder Wegwerfwindeln konfrontiert wird. Das Paket Wegwerfwindeln für den Urlaub kauft man sich einfach vor Ort und ist damit gut ausgestattet. Kein Waschen, kein Sammeln der schmutzigen Windeln, kein riesen Wäscheberg nach dem Urlaub und vor allem: kein Geschleppe. Wenn man es aber nun wirklich versuchen will, gibt es ein paar Dinge zu bedenken:

Als erstes sollte man den Platz, den die Windeln im Gepäck ausmachen nicht unterschätzen. Fährt man nur für ein verlängertes Wochenende weg, braucht man eventuell nicht seinen ganzen Windelfundus einzupacken. In diesem Fall machen die Windeln dennoch gut ein Drittel des Gepäcks aus. Man sollte deshalb rechtzeitig, mindestens eine Woche im Voraus, anfangen zu Waschen und den großen Teil der sauberen Windeln bei Seite legen. Somit hat man inklusive Trocknungszeit alle Windeln am Tag vor Urlaubsantritt sauber. Während dieser Zeit greift man entweder auf Wegwerfwindeln zurück, oder bedient sich eben der „die sind noch gut für zu Hause“ Stoffwindeln, die sich wohl in jedem Haushalt irgendwann anfinden.

Vor Ort sollte man sich wickeltechnisch in etwa so einrichten können, wie zu Hause. Zum Beispiel kann man den Windelbeutel aus dem Eimer im Urlaub nutzen, um schmutzig Windeln ordentlich aufzubewahren. Am Besten ist es natürlich, wenn man auch im Urlaub Zugriff auf eine Waschmaschine hat. Damit umgeht man allzu große Wäscheberge, wenn man wieder nach Hause kommt und erspart sich den Transport von vollen, einer Woche alten Windeln. Beim Packen unbedingt an Waschmittel denken, das es vielleicht nicht überall zu kaufen gibt.

Shops und Foren im Internet

Selten sind die Informationen zum wickeln mit Stoffwindeln gut aufbereitet und zu allem Übel wird kein einheitliches Vokabular verwendet. Zu meinen ganz grundlegenden Fragen, kam nun also noch das Pro und Kontra einer reichhaltigen Produktpalette.

Wenn man gerade angefangen hat sich mit dem Thema zu beschäftigen, kann die breite Auswahl schon mal verwirrend sein. Manchmal bieten Hebammen Kurse oder Info-Abende zum Thema Stoffwindeln an. Auch youtube ist eine gute Quelle, um sich das Wickeln mit Stoffwindeln einfach mal ansehen zu können. Hier wird man spätestens im englischsprachigen Netz fündig. Empfehlenswert ist das Stöbern auf www.blumenkinder.eu und www.1bis3.de. Hier bekommt man eine Produktauswahl gut strukturiert angeboten und außerdem noch eine Menge hilfreicher Erklärungen in übersichtlicher Darstellung.

Am Besten lernt man aber natürlich durch Ausprobieren. Deshalb lohnt es sich, verschiedene Systeme unterschiedlicher Hersteller gebraucht zu besorgen und gleich am eigenen Kind loszulegen. Im deutschsprachigen Netz landet man zum Thema Stoffwindeln schnell bei www.naturwindeln.de. Die Menge an Informationen wird dort zwar nicht geringer, aber wenigstens sind sie dort gut strukturiert und recht umfassend.

In diesem Beitrag fragt Croco.at ob Stoffwindeln wirklich besser als Wegwerfwindeln sind.

Antworten auf

  1. Rebecca 5. Dezember 2016 an 08:10 #

    An und für sich ein wirklich schöner Beitrag zum Thema Stoffwindeln, aber ich finde es schade das nur die beiden waschintensivsten Arten von Stoffwindeln getestet und vorgestellt werden. Es gibt durchaus Arten von Stoffys die deutlich weniger Wäsche machen als Aio’s und Pockets.
    Ich selber wickle seit knapp 10 Monaten mit Stoff und habe mittlerweile jedes System probiert und nutze alle miteinander: Überhosen mit Mullis als Einlage und Ai3 (All in tree) für mich und daheim im allgemeinen, Aio’s Pockets Sio’s (Snap in One /All in two) für Papa, Oma und unterwegs, Höschenwindeln und Wollis für nachts und wenn ich lange Zeit nicht wickeln kann (lange Autofahrt).

    Die Überhosen mit Mullis und die Ai3 machen deutlich am wenigsten Wäsche von allen Systemen, denn hier kommt nach dem Wickeln eigentlich nur die Einlage zum waschen, die Überhose bzw bei den Ai3 die Aussenwindel und Innenwindel werden gelüftet und sind dann wieder einsatzfähig. Diese werden nur bei Verschmutzung gewaschen oder wenn se müffeln.

    Wenn ich mein Lieblingssystem so zusammen rechne komme ich auf 5 Überhosen und 20 Mullis + 5 Hanfeinlagen für Nachts, gewaschen wird alle 4 Tage und Mullis trocken auf dem Wäscheständer sehr schnell und können sehr gut durchgewaschen werden. Das Waschen ist ebenfalls schnell erledigt – Baumwollprogramm mit Vorwäsche 60 Grad (1. Waschgang 1/2 Waschmittel, 2 Waschgang normal dosiert) mit Sensitiv Waschmittel (Domol von Rossman oder Edeka, DM, …) – fertig. Die Mullis trocknen ungefaltet innerhalb eines halben Tages im Winter und die Überhosen kommen fast trocken nach dem Schleudern aus der Maschine. Kosten für dieses System (Neu und namenhafte Hersteller) – 160 Euro (5 Überhosen 20 Mullis). Gewickelt wird hier ca alle 3 Stunden, also gleich wie bei Wegwerfwindeln.

    Das wickeln mit Stoff ist kein Hexenwerk und macht zudem echt viel Spaß. Die schönen Muster sind immer wieder n Hingucker. Die Arbeit ist zeitlich gesehen auch nicht mehr als wenn ich losfahren muss um Windeln zu kaufen. Der Wasserverbrauch zum waschen ist knapp die Hälfte dessen was eine Wegwerfwindel in der Herstellung verbraucht und man kann selber bestimmen welche Materialien man direkt auf der Haut des Babys haben will.

    Traut euch 😊

  2. TamiMama 14. Juli 2015 an 11:01 #

    Hallöchen,

    ich wickel auch mit Stoffwindeln (schon beim ersten und nun auch beim zweten kind) und habe mich aber gegen das „selber waschen“ entschieden. In unserer Region gibt es einen Windeldienst… dort erhält man gegen eine Kaution von 100 Euro (die bekommt man am ende der Servicezeit zurück) 140 Kalifornische Baumwollwindeln. in der ersten Woche 70 und in der 2. woche nochmal 70, wenn er dann die schmutzigen Windeln aus Woche 1 wieder abholt… diese Werden in einer geruchsdichten Kiste aufbewahrt. Die Windeln werden bei ihm zu Hause in großen iNdustriewaschmaschinen mit biologisch verträglichen Waschmittel gewaschen. Vorteil: diese Waschform ist deutlich sparsamer und ökologischer als meine Waschmaschine zu Hause. Ich bekomme auch immer wieder dieselben Windeln, da diese mit einer Nummer gekennzeichnet sind… ein prima System, wenn man nicht selbst waschen kann oder möchte…

    Infos: www.http://greizer-windeldienst.de/?page_id=4

    Noch ein vorteil: Die größe der Windel wechselt man bei bedarf einfach und kauft lediglich 2 passende Überhosen dazu…

    Ich finde das perfekt und nutze wegwerfwindeln nur noch im allergrößten Notfall… wenn mir mal die Überhosen ausgehen oder so….

    LG TamiMama…

  3. Birte 16. Juni 2015 an 18:00 #

    Auch vielen Dank für diesen ausführlichen Überblick in eine neue Welt. Mich würde aber am dringensten tatsächlich mal eine realistische Mengenangabe interessieren, wie viele Stoffwindeln ich mir denn für den Start gleichzeitig besorgen sollte und überhaupt parat haben muss?

    Das habe ich entweder überlesen oder nicht dem Artikel entnehmen können.

    Würde mich sehr über eine helfende Angabe freuen.

    • Marie 22. Juni 2015 an 14:58 #

      Liebe Birte,
      Als Richtwert werden oft 20 Stoffwindeln angegeben.
      Ela, die Autorin dieses Artikels, ist am Anfang mit 25-30 Stoffwindeln gut hingekommen.
      LG
      Marie von Sparbaby

  4. Isabella 26. März 2015 an 13:45 #

    Vielen Dank für diesen guten Bericht – mit einigen guten praktischen Ratschlägen. Hinzufügen kann ich noch: für die Wickeltasche braucht man nicht unbedingt einen Wetbag, auch ein 3liter wieder verschließbares Gefriersackerl eignet sich dafür gut (kann man auch ausspülen und später mal recyclen) und die Stoff Waschlappen kann man sich gut aus einem Flanellleintuch selber nähen (mal bei Oma nachfragen) Für Österreich (und auch andere) kann ich noch diese Seite empfehlen: http://www.stoffwindelcompany.at – die haben eine gute und günstige Eigenmarke („Blümchen“) und auch andere Windelprodukte anzubieten.

  5. Anna 18. November 2014 an 09:57 #

    Danke für diesen gut geschriebenen, umfassenden und ideologiefreien (:-)) Beitrag zu Stoffwindeln!

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