Am besten rückwärts – warum Buggys mit Blick nach hinten besser sind

Für Babys ist die Welt und alles um sie herum unheimlich spannend – aber häufig auch beängstigend. Autos, Menschen, Plakate und Hunde – alles erscheint hektisch und riesengroß zu sein. Gut, dass man sich immer auf den engen Kontakt mit den Eltern verlassen kann. Fast immer, denn es gibt eine ganz alltägliche Situation, wo der Sichtkontakt oft fehlt: bei der Spazierfahrt im Buggy.

Stressfaktor Buggy

Rückwärtsgerichtete Buggys - warum Buggys mit Blickrichtung nach hinten besser sind
Rückwärtsgerichtete Buggys – warum Buggys mit Blickrichtung nach hinten besser sind ( © stock.adobe.com / Elena Stepanova )

Kinder suchen stets den Austausch mit ihren Eltern. Schon Säuglinge verlassen sich auf eine enge Kommunikation mit ihren Bezugspersonen. Sie entwickeln Selbstvertrauen und fühlen sich behütet, wenn Eltern ihnen mit einem Blick signalisieren, dass alles in Ordnung ist. Durch diese Rückversicherung können Kinder mit dem Urvertrauen im Rücken die spannende Welt kennenlernen.

Bei den meisten Buggys haben Kinder aber nicht nur das Urvertrauen im Rücken, sondern auch den Blick der Eltern. Mit dem Blick voraus möchten Mütter und Väter ihren Kindern neue interessante Perspektiven aufzeigen. Nicht zuletzt lässt sich der Buggy leichter transportieren. Aber nicht alle Kinder sind in der Lage, die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Die Folge ist eine Reizüberflutung. Eine besondere Herausforderung stellt die Fremdelphase dar, die sich auf den Zeitraum zwischen dem 10. und 14. Lebensmonat erstreckt. In dieser Phase nehmen Kinder besonders viele Reize auf, die verarbeitet werden müssen.

Woran erkenne ich, ob mein Kind gestresst ist?

Selbst kleine Kinder verfügen über Selbstschutztechniken, mit denen sie sich vor unerwünschten Eindrücken abschirmen. Wie ein Kind auf zu viele Reize aus der Umwelt reagiert ist sehr unterschiedlich.

Dein Kind könnte:

  • „abschalten“, indem es sehr ruhig wird oder einschläft
  • verstärkt an Schnuller oder Trinkflasche saugen.
  • beginnen zu quengeln oder zu weinen.

Vor allem wenn Kinder auffallend ruhig werden, deuten das Erwachsene häufig als Faszination an der spannenden Umwelt und nicht als Reizüberflutung. Durch einen intensiven Blickkontakt und den üblichen Informationsaustausch können Eltern überprüfen, wie sich ihr Kind fühlt. Aber gar nicht so einfach, wenn es mit dem Rücken zum Elternteil im Buggy sitzt. Dass Kinder bei einem vorwärtsgerichteten Blick häufig gestresst sind, erkannte auch eine Studie der Universität von Dundee in Schottland.

Dabei beobachtete die Entwicklungspsychologin Dr. ­Suzanne Zeedyk mehr als 2700 Eltern-Kind-Paare beim Kinderwagen- bzw. Buggyschieben. Nach der Analyse stand fest, dass Eltern und Kinder durch einen direkten Augenkontakt mehr miteinander kommunizieren. Der Nachwuchs weinte seltener und lachte dagegen häufiger. Eine weitere Untersuchung belegte, dass Kinder, die mit dem Blick nach vorne geschoben wurden, über eine erhöhte Herzfrequenz verfügten und gestresster waren. Kinder in Buggys, die den Blickkontakt mit der Mutter ermöglichten, waren entspannter und schliefen häufiger während der Fahrt ein.

Diese Buggy lassen sich rückwärtsgerichtet fahren

Einen Buggy zu finden, der den Blick in beide Richtungen erlaubt, ist gar nicht so einfach. Im Handel gab es lange keine große Auswahl und noch immer ist die Nutzung in beide Blickrichtungen keine Selbstverständlichkeit. Diesen Mangel kritisieren Experten und Eltern gleichermaßen, weswegen es bereits im Jahr 2013 einen offenen Brief der Stiftungsinitiative „Für Kinder“ an die Kinderwagenhersteller gab.

Eine Alternative sind normale Kombikinderwagen, die man zum Buggy umbauen und für gewöhnlich in beide Richtungen drehen kann. Allerdings ist inzwischen auch die Auswahl an Buggys mit verschiedenen Blickrichtungen im Handel etwas größer.

Hier findet ihr eine Auswahl an aktuellen Buggy-Modellen, die einen Blick gegen die Fahrtrichtung über einen umsetzbaren Aufsatz oder mit einem schwenkbaren Schieber einen Richtungswechsel ermöglichen (Stand 2019, jeweils mit Link zu Amazon/Baby-Walz):

In ruhigen Umgebungen, etwa bei einem Spaziergang im Wald, können Kinder ohne Sorge mit dem Blick nach vorne geschoben werden. Experten raten Eltern allerdings dazu, erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres auf einen Buggy umzusteigen. Das gilt vor allem für Babys, die nur schwer zu Ruhe kommen und Reize generell sehr intensiv wahrnehmen.

Rückversicherung und Blickkontakt zu den Eltern stärkt das Urvertrauen ( © stock.adobe.com | Monkey Business )

Ansonsten kommen Buggys infrage, bei denen das Kind in beide Fahrtrichtungen schauen kann. Damit haben Eltern die Möglichkeit, die Perspektiven für das Kind individuell, je nach Situation und Reizverarbeitung, anzupassen. Wenn bereits ein Buggy gekauft wurde, der nur die Blickrichtung nach vorne zulässt, sollten Eltern in regelmäßigen Abständen stehen bleiben, den Blickkontakt suchen und ein paar Worte mit dem Nachwuchs wechseln. Damit kann überprüft werden, ob das Kind gerade Beruhigung oder eine schützende Atmosphäre benötigt. Dann können eine Pause mit Kuscheln und die Suche nach einem ruhigeren Spazierweg helfen.