Kinderfahrradsitze für vorne: Römer Sulky und Alternativen

Eltern, die regelmäßig Fahrrad fahren, müssen sich irgendwann entscheiden, wie sie ihre Kinder auf dem Fahrrad transportieren wollen. Wer sein Kind nicht im Fahrradanhänger mit nehmen kann oder möchte, hat zwei Möglichkeiten: Man kann einen Fahrradsitz vorne oder hinten am Rad montieren. Kinderfahrradsitze für hinten sind weit verbreitet und werden regelmäßig getestet. Zu den bekanntesten Modellen gehört der Römer Jockey. Fahrradsitze für vorne sind praktisch, werden aber aufgrund von neueren Gesetzen bzw. EU-Richtlinien kaum noch hergestellt und sind deshalb oft nur noch gebraucht zu bekommen.

Frontsitze von Weeride und Windschutz von Rabbit

Frontsitze von Weeride und Windschutz von Rabbit

Hier erfahrt ihr, worauf ihr beim Kauf achten müsst und welche Fahrradkindersitze für vorne beliebt und empfehlenswert sind:

Vorteile und Nachteile

Sein Kind auf dem Fahrrad vorne sitzend zu transportieren, hat einige Vorteile: Das Kind kann alles sehen und sich mit dem Fahrer unterhalten. Außerdem hat das Kind mehr Platz und muss sich diesen nicht – wie oft beim Fahrradsitz für hinten – mit dem Rucksack des Fahrers teilen. Im Gegensatz zu Sitzen für hinten können Vordersitze auch an Hollandrädern, Damenrädern und älteren Fahrrädern ohne Befestigungsmöglichkeit für hinten montiert werden.

Das Fahrverhalten gerade mit solchen Rädern wird mit einem Vordersitz oft als angenehmer empfunden – die an der Sattelstange befestigen Fahrradsitze für hinten können dagegen besonders an Damenrädern stark schaukeln und das Rad schwerer lenkbar machen. Auf Herrenrädern, Mountainbikes und Trekkingrädern mit Oberrohr ist das Aufsteigen mit einem Fahrradsitz hinten oft gar nicht so einfach – auch hier haben Frontsitze einen Vorteil, da man das Bein beim Aufsteigen wie gewohnt nach hinten durchschwingen kann.

Aufgrund der Sitzposition muss man jedoch auch Nachteile in Kauf nehmen. Der kleine Mitfahrer kann hinten angeschnallt ein Nickerchen machen, vorne ist das bei den meisten Frontsitzen aufgrund kürzerer Rückenlehnen eher „kopfüber“ nach vorne möglich. Vorne ist das Kind nicht so gut vor Fahrtwind und Witterung geschützt und die Sitzhaltung für den Fahrer kann etwas ungewohnt und je nach Fahrradrahmen und Beinlänge breitbeiniger sein. In der Regel sind Fahrradsitze für vorne nur bis 15 kg geeignet. Bei Stürzen ist das Kind kaum geschützt.

Welche Kinderfahrradsitze gibt es für vorne?

Bis vor einiger Zeit war der Römer Sulky das bekannteste und das beliebteste Modell unter den Sitzen. In der Stiftung Warentest 4/2003 schnitt er mit einem „befriedigend“ als bester Frontsitz ab: „Bester und billigster Frontsitz. Aber wenig Bewegungsfreiheit für den Fahrer“, so das Urteil der Stiftung Warentest.

Der Kinderfahrradsitz Römer Sulky für vorne - Frontsitz

Der Kinderfahrradsitz Römer Sulky für vorne – beliebt, aber nur noch gebraucht erhältlich

Der beliebte Römer Sulky Fahrradsitz für vorne, montiert (© Sparbaby)

Passt auch an Hollandräder – der Römer Sulky für vorne (© Sparbaby)

Allerdings wurde er bereits 2004 vom Hersteller Britax Römer aus dem Sortiment genommen. Alle Römer-Kindersitze „entsprechen einer Europäischen Norm DIN EN 14344 und sind deshalb auch vom TÜV zertifiziert“, so der Hersteller auf Anfrage.  Aus Sicherheitsgründen könne der Sitz deshalb nicht mehr verkauft werden, denn diese „Norm besagt wie hoch die Rücklehne sein muss, wie die Füßchen von den Speichen geschützt werden müssen, wie groß ein Fahrradsitz mindestens/höchstens sein muss, etc. Dieser Norm zu entsprechen bedeutet aber auch, dass Kinderfahrradsitze für die Lenkstange nicht mehr hergestellt werden können, da der Fahrer das Fahrrad mit den erforderlichen Abmessungen nicht mehr lenken könnte.“

Römer Sulky gebraucht kaufen

Auch 10 Jahre später wird der Römer Sulky immer noch nachgefragt und rege gebraucht auf Plattformen wie Ebay oder Kleinanzeigenmärkten gehandelt. Der Gebrauchtpreis liegt bei ca. 10-15€ mit Versand, lokal bei Abholung kann man schon für 2-5€ ein Schnäppchen machen.

Römer Sulky gebraucht bei eBay finden

Sind Kinderfahrradsitze für vorne erlaubt oder verboten?

Viele Eltern sind sich deshalb nicht sicher, ob diese Transportmöglichkeit rechtlich überhaupt zulässig ist. Die Polizei gibt aber grünes Licht. Bei diesen Sitzen gäbe es „keine Probleme“, so die Auskunft der Polizei in Leipzig.

Welche Alternativen zum Römer Sulky gibt es?

Im Handel gibt es noch mehrere Fahrradsitze für vorne von anderen Anbietern in ähnlichem Design. Häufiger positiv erwähnt wurden in den Kommentaren unserer Facebook-Umfrage zum Beispiel Bobike und WeeRide.

Frontsitz Kinderfahrradsitz für vorne, an der Lenkstange montiert (© Polisport)

Frontsitz Kinderfahrradsitz für vorne, an der Lenkstange montiert (© Polisport)

Bestellmöglichkeiten für Kinderfahrradsitze für vorne

Die Frontsitze gibt es im Fahrradfachhandel, in Fahrrad-Online-Shops oder auch bei Amazon zu bestellen.

Der Hersteller Yepp kommt aus den USA und hat einen interessanten Vordersitz mit 5-Punkt-Gurt im Sortiment. Befestigungsmöglichkeiten und viel Zubehör gibt es für City-Räder und Mountainbikes. Mehr Fotos im Einsatz auf einer Mountain-Bike / Trekking-Tour durch Guatemala gibt es hier.

Kinderfahrradfrontsitz von yepp

Kinderfahrradfrontsitz von Yepp

Manchmal kann man auf der Straße noch ältere Varianten entdecken. Der Kinderfahrradsitz aus Korb wird mit zwei Metallstangen am Lenker montiert, so dass das Kind in Richtung Fahrer schaut. Modernen Sicherheitsstandards entsprechen solche meist älteren Varianten allerdings nicht, im Straßenverkehr sollte man ihn deshalb nicht benutzen.

Kinderfahrradsitz aus Korb

Kinderfahrradsitz aus Korb (© Sparbaby)

Der Frontsitz Kinderfahrradsitz von Polisport (© Sparbaby)

Der Frontsitz Kinderfahrradsitz von Polisport (© Sparbaby)

Größere Kinder „auf der Stange“ mitnehmen

Irgendwann werden die Kinder zu groß und zu schwer für die Kindersitze – egal ob vorne oder hinten. Meist sind Kinderfahrradsitze nur für ein Gewicht bis 15 oder 22 kg angelegt. Mit drei oder vier Jahren können zwar einige Kinder schon alleine Fahrrad fahren, doch manche Strecken sind einfach zu weit oder zu gefährlich für Kinder in diesem Alter. Alles über die aktuellen Modelle und weitere Informationen findet ihr in unserem Artikel Kinderfahrradanhänger im Test 2016. Trotzdem muss man nicht unbedingt auf den Fahrradanhänger umsteigen.

Ein Trend, der sich in einigen größeren Städten wie Berlin oder Leipzig abzeichnet, ist der Retro-Fahrradsitz für das Oberrohr am Fahrradrahmen. Besonders beliebt waren die Sattel bis in die 1990er Jahre in den neuen Bundesländern. Auch heute finden viele Eltern diese Sattel für das Oberrohr wieder praktisch.

Besonders wichtig ist hier aber, das man an das vordere Rad einen Speichenschutz montiert. Aus durchsichtigem oder buntem Kunststoff oder Metall, verhindert der Speichenschutz, dass Kinder mit den Füßen in die Speichen geraten. Notwendig sind auch Fußstützen, auf die das Kind die Beine stellen kann. Bei Online-Versteigerungen sind solche Sitze oft günstig zu bekommen. Auch lokale Fahrradläden führen Kindersattel für das Oberrohr oder Sitze für vorne manchmal noch. Hier könnt ihr den Sitz auch gleich fachgerecht montieren lassen.

Alternative: Kinderfahrradsitz für hinten

Sehr viel häufiger genutzt werden Kinderfahrradsitze, die hinten am Fahrrad am Sitzrohr bzw. hinter dem Fahrer über dem Gepäckträger montiert werden. Hier findet ihr mehr zum Thema: Kinderfahrradsitz hinten

Diskussion auf Facebook: Erfahrungen anderer Eltern mit Kinderfahrradsitzen für vorne

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Antwort auf

  1. Beeke 21. März 2016 an 08:23 #

    Yepp ist kein amerikanisches, sondern ein niederländisches Unternehmen – was zumindest die Glaubwürdigkeit eines Fahrradproduktes deutlich erhöht. Es gehört zur GMG Gruppe (Gebroeders Melkert Gouda).

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