Tragetücher im Test 2018 – die besten Empfehlungen für dein Baby

In diesem Artikel wollen wir euch das Wichtigste rund ums Tragen erklären, die meistgestellten Fragen dazu beantworten und euch Tipps zum Kauf eines Tragetuchs geben. Dazu haben wir nicht nur viele Stunden recherchiert und Erfahrungsberichte, Tests und Testergebnisse gelesen, sondern uns auch Tipps von einer erfahrenen Trageberaterin geholt. Nicola ist zertifizierte Trageberaterin und betreibt den wunderbaren Youtube-Kanal „Babyschritte“, auf dem sie viele Videos zum Thema Tragen veröffentlicht hat. In unserem Artikel erzählt sie zum Beispiel, welche Tücher sie für Anfänger empfiehlt und verrät ihre besten Tipps und Tricks zum Thema Tragen.

Ein neugeborenes Baby in einem gewebten Tragetuch von Storchenwiege | Foto von Storchenwiege via Amazon
Ein neugeborenes Baby in einem gewebten Tragetuch von Storchenwiege | (Foto: Storchenwiege / Amazon)

Babys wollen getragen werden. Sobald sie auf Mamas Arm sind, sind sie meist glücklich und zufrieden – denn getragen zu werden, ist ein Grundbedürfnis von Babys. Sie spüren Mamas bekannten Herzschlag und die Körperwärme, was gerade bei Neugeborenen oder Frühchen unheimlich wichtig ist.  Getragen zu werden beruhigt, sie fühlen sich geborgen und sicher. Auch die Bindung zwischen Eltern und Kind wird durch das Tragen gestärkt. Ganz nebenbei wird auch Babys Gleichgewichtssinn geschult und – bei richtiger Trageweise – die optimale körperliche Entwicklung gefördert.

Babys fordern es aktiv ein, getragen zu werden und so sind die meisten Mamas echte Meister darin, alles einhändig zu erledigen. Auf die Dauer kann es allerdings anstrengend sein, nie die Hände frei zu haben, weshalb sich die Anschaffung einer guten Tragehilfe bzw. eines Tragetuches definitiv lohnt und zur Grundausstattung gehören sollte.

Trageberaterin Nicola meint: “Für mich ist das Tragen jeden Tag aufs Neue ein Lebensretter. Mit einem Baby und einem Kleinkind ist man für jede freie Hand dankbar. Ich kann für meine „Große“ da sein und gleichzeitig dem Nähebedürfnis meines Babys nachkommen.”

Die Vorteile des Tragens im Tragetuch auf einen Blick

• Babys sind „Traglinge“ – getragen zu werden ist ihnen ein Grundbedürfnis
• durch den bekannte Herzschlag, Körperwärme und Bewegung fühlt sich dein Baby ähnlich geborgen und sicher wie im Mutterleib
• hilft Frühchen und Neugeborenen, ihre Körperwärme zu halten
• Tragen fördert eine enge Bindung/Bonding zwischen Eltern und Kind
• das Urvertrauen zwischen Mutter/Vater und Baby wird gestärkt
• wirkt bei Koliken, Schmerzen oder Ängsten beruhigend
• getragene Kinder schreien seltener
• schult den Gleichgewichtssinn deines Babys
• fördert die optimale körperliche Entwicklung
• das Tragen in der korrekten Anhock-Spreiz-Stellung hilft Hüftdysplasie vorzubeugen
• dein Baby wird von zu vielen Sinneseindrücken und neugierigen Blicken abgeschirmt
• mit dem Tragetuch ist man immer mobil (nicht an Schlafzeiten des Babys gebunden, kann problemlos Bus und Bahn nutzen usw.)
• man hat die Hände frei und kann z.B. nebenbei den Haushalt erledigen
• stärkt seinen eigenen Rücken parallel zum steigenden Gewicht des Kindes

 

Elastisches oder gewebtes Tragetuch: Womit trage ich mein Baby am besten?

Gerade in den ersten Monaten ist ein Baby am besten in einem Tragetuch aufgehoben. Keine Tragehilfe passt sich so optimal an das Kind und den Tragenden an, wie es ein Tragetuch kann, was gerade bei Neugeborenen sehr wichtig ist. Bei Tragetücher unterscheidet man zwischen gewebten und elastischen Tüchern – beide Tucharten haben ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile und so muss man ganz individuell entscheiden, welches besser zu einem passt.

Gewebte Tragetücher

Foto von Didymos via Amazon
Gewebte Tragetücher (Foto: Didymos / Amazon)

Bei gewebten Tragetüchern gibt es zunächst einmal Unterschiede in der Gewebeart. Es gibt zum Beispiel Jacquardgewebe, Kreuz- und Diamantkörper oder die Fischgrat-Webart. Diese Begriffe können zunächst verwirren, letzendlich ist die Webung aber gar nicht so entscheidend. Wichtiger ist eher die Dicke bzw. das Flächengewicht des Tuches. Ist ein Tuch zu dick, ist es schwieriger zu straffen und daher für Anfänger (mit Neugeborenen) weniger gut geeignet. Als Trageanfänger sollte man daher darauf achten, dass das Flächengewicht des Tuches nicht zu hoch ist – maximal ca. 250 g/m2 lautet hier der Richtwert. Wichtig ist außerdem, dass der Stoff  diagonalelastisch ist, so ist das Tuch einfacher zu binden bzw. zu knoten sind und gibt gleichzeitig nicht zu viel nach.

Bei längerem Tragen ist ein Nachraffen so meist nicht nötig. Ein hochwertiges gewebtes Tragetuch sollte übrigens niemals so stark ausleiern, dass es beim Tragen nachgestrafft werden muss, wenn es korrekt gebunden wurde – ganz gleich, wie es gewebt wurde. Einen Hinweis auf die Hochwertigkeit des Tuches geben euch zum Beispiel verschiedene Testsiegel: Ist das Tuch auf Schadstoffe geprüft worden (Öko-Tex 100) oder ist es sogar GOTS-zertifiziert?

Trageberaterin Nicola meint: “Tragetücher mit verschiedenfarbigen horizontalen Streifen, können beim Straffen der einzelnen Tuchbahnen eine optische Orientierungshilfe geben und sind deshalb besonders gut für Bindeanfänger geeignet.”

Ganz unabhängig von der Webart haben gewebte Tücher den großen Vorteil, dass sie von Geburt an bis zum Ende der Tragezeit genutzt werden können. Auch Kleinkinder können mit ihnen problemlos getragen werden. Außerdem können sie – im Gegensatz zum elastischen Tragetuch – auf unzählige verschiedene Weisen gebunden werden. Ganz nach persönlicher Vorliebe kann das Baby so vor dem Bauch, auf der Hüfte oder auch auf dem Rücken getragen werden. Beliebte Bindetechniken sind zum Beispiel die Wickelkreuztrage, die Känguru- oder die Rucksacktrage, welche besonders toll ist, um bereits größere Kinder bequem zu tragen.

Verschiedene Bindeweisen eines Tragetuchs | Foto von Storchenwiege via Amazon
Verschiedene Bindeweisen eines Tragetuchs | Foto von Storchenwiege via Amazon

Welche Länge muss mein Tragetuch haben?

Neben der Frage nach dem Gewebe steht man vor dem Kauf eines Tragetuches meist noch vor einer weiteren Frage: Woher weiß ich, wie lang mein Tragetuch sein muss? Anders als elastische Tragetücher gibt es gewebte Tragetücher in verschiedenen Längen zu kaufen. Die Tuchlänge ist abhängig von der Größe und Statur des Trägers sowie der Art der Bindeweise. Möchte man zum Beispiel nur auf der Hüfte tragen, reicht ein sehr kurzes Tuch aus, während man für die Wickelkreuztrage ein deutlich längeres Tuch benötigt. Je nach Hersteller gibt es verschiedene Standardgrößen: 2,70 m (Größe 2), 3,20 m (Größe 3), 3,70 m (Größe 4), 4,20 m (Größe 5), 4,70 m (Größe 6) und 5,20 m (Größe 7) – manche Marken bieten sogar noch längere Tücher an. Bei normaler Statur und Größe kann man bei Größe 6 (also ca. 4,70 m) alle gängigen Trageweisen problemlos binden.

Das sagt Öko-Test

Die Öko-Test hat in der Ausgabe 6/2011 und 8/2016 mehrere Tragetücher verschiedener Hersteller getestet. Im Testergebnis schnitten sowohl das Tragetuch der Firma Storchenwiege (Modell Olivia Bio) als auch das Tuch von Didymos (Modell Wellen Holunder 6) mit „sehr gut“ ab. Beide haben keinerlei bedenkliche Inhaltsstoffe und können uneingeschränkt empfohlen werden. Das Tragetuch von Fidella (Modell Persian Paisley Jungle) bekam zwar auch das Gesamturteil „sehr gut“, jedoch wies das Labor im Tuch optische Aufheller nach. „Solche Chemikalien belasten die Umwelt und können unter Umständen allergische Reaktion auslösen.“, wie es in der Öko-Test heißt. In Teilen, mit denen Kinder direkt in Berührung kommen, haben sie daher gar nichts zu suchen.

Unsere Empfehlung
Didymos Babytragetuch Standard
Didymos Babytragetuch Standard
  • Öko-Test-Urteil "sehr gut"
  • 100% Bio-Baumwolle (kbA), GOTS-zertifiziert
  • diagonal-elastisch durch Kreuzkörperbindung
  • hergestellt in Deutschland
  • in vielen Farben und Designs erhältlich
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Zuletzt aktualisiert am 9. Dezember 2018 um 01:14 . Die angezeigten Preise können sich inzwischen geändert haben. Alle Angaben ohne Gewähr.

Neben Didymos sind weitere Hersteller von gewebten Tragetüchern zum Beispiel Storchenwiege, Didymos, Hoppediz, Girasol, Kokadi, Fidella, Pollora und Amazonas.

Gewebte Tragetücher bei Amazon

Vorteile und Nachteile von gewebten Tragetüchern auf einen Blick

  • von Geburt an nutzbar
  • bis zum Ende der Tragezeit benutzt werden, keine Gewichtsbeschränkung
  • viele verschiedene Bindeweisen möglich (bspw. auch auf dem Rücken)
  • robuster Stoff, der seine Form auch nach langjähriger Nutzung behält
  • für Anfänger schwierig zu binden
  • muss bei jedem Tragen neu gebunden werden

Anleitung: ein gewebtes Tragetuch binden – die Wickelkreuztrage

Tragetuch Binden: WICKELKREUZTRAGE (Neugeborenes Baby) | Anleitung

 

 

Elastische Tragetücher

Foto von Manduca via Amazon
Elastische Tragetücher (Foto: Manduca / Amazon)

Elastische Tragetücher werden meist aus Jersey-Stretch gefertigt. Sie sind extrem dehnbar und schmiegen sich gleichzeitig perfekt an den Körper des Babys und des Trägers an. Durch ihre extreme Dehnbarkeit, müssen elastische Tragetücher stets dreilagig gebunden werden, um das Kind ausreichend zu stabilisieren. Dadurch ist allerdings nur die (vorgebundene oder normale) Wickelkreuztrage möglich. Außerdem gibt der Stoff ab einem bestimmten Gewicht des Kindes zu sehr nach – ab ca. 9 kg wird das Kind meist zu schwer für das elastische Tragetuch.

Trageberaterin Nicola meint: “Wenn du beim Tragen im elastischen Tragetuch das Gefühl hast, dein Baby sackt in sich zusammen, das Tuch „leiert“ aus und du musst ständig nachstraffen, dann könnte es an der Zeit sein, auf ein gewebtes Tragetuch umzusteigen.”

Dennoch ist die Elastizität gleichzeitig auch der entscheidende Vorteil gegenüber gewebten Tragetüchern. Gerade für Anfänger sind sie viel leichter zu binden, da man sie auch ohne Kind vorbinden kann und das Baby erst nachträglich ins bereits fertig gebundene Tuch setzt. Ist das Tuch einmal gebunden, kann man das Baby auch immer wieder herausnehmen und neu ins Tuch setzen, ohne es erneut binden zu müssen. Im Gegensatz zu einem gewebten Tragetuch sind elastische Tücher auch deutlich leichter und werden so im Sommer oftmals als angenehmer zu tragen empfunden. Außerdem können sie so problemlos unterwegs platzsparend verstaut werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie gegenüber dem gewebtem Tragetuch oftmals deutlich preisgünstiger sind.

Das sagt Öko-Test

Die Öko-Test hat in der Ausgabe 6/2011 und 8/2016 mehrere Tragetücher verschiedener Hersteller getestet. Im Testergebnis schnitt das elastische Tragetuch „Manduca Sling“ (in der Farbe Chili) mit „sehr gut“ ab, es konnten keine bedenklichen Inhaltsstoffe nachgewiesen werden. Nicht uneingeschränkt empfehlen konnte Öko-Test hingegen das Tragetuch von Moby Wrap (Modell Organic, eggplant). Es bekam zwar Gesamturteil „gut“, jedoch wurden im Labor sowohl optische Aufheller als auch halogenorganische Verbindungen im Tuch festgestellt. Außerdem kritisierte die Öko-Test, dass das Tuch keine unterschiedlich farbigen Kanten habe. Selbige Mängel fand man übrigens auch im Modell Moby Wrap Classic in der Farbe Chocolate.

Unsere Empfehlung
manduca Sling - elastisches Babytragetuch
manduca Sling - elastisches Babytragetuch
  • Öko-Test-Urteil "sehr gut"
  • 100% Biobaumwolle (kbA) ohne Elastan, GOTS-zertifiziert
  • eine Größe (5,10 m) passend für alle, 60 cm extra Breite fürs Baby, 600 g leicht
  • einfaches Binden dank Kontrastnaht und Mittelmarkierung
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Zuletzt aktualisiert am 9. Dezember 2018 um 01:14 . Die angezeigten Preise können sich inzwischen geändert haben. Alle Angaben ohne Gewähr.

Neben Manduca sind weitere Hersteller von elastischen Tragetüchern zum Beispiel Didymos, Hoppediz, Little Wombat, Kokadi, Moby Wrap, Hänschenklein, Cuddlebug, Fastique und Amazonas.

Elastische Tragetücher bei Amazon

Vorteile und Nachteile von elastischen Tragetüchern auf einen Blick

  • für Anfänger leicht zu binden, können vorgebunden werden
  • von Geburt an nutzbar
  • einmal gebunden, kann das Kind aus dem Tuch herausgenommen und wieder hereingesetzt werden, ohne neu binden zu müssen
  • leichter, weicher Stoff, der sich perfekt anschmiegt
  • günstiger in der Anschaffung
  • nur Wickelkreuztrage (dreilagig) möglich
  • ab ca. 9 kg wird das Kind zu schwer für ein elastisches Tragetuch
  • Stoff kann bei langjähriger Nutzung seine Form verlieren/ausleiern

Anleitung: ein elastisches Tragetuch binden

Elastisches Tragetuch binden – Wickelkreuztrage für Baby (Anleitung)

Ring Sling

Foto von Storchenwiege
Ring Sling (Foto: Storchenwiege)

Neben normalen gewebten und elastischen Tüchern gibt es auch noch sogenannte Ring Slings. Ring Slings sind kurze, ca. 1,50 bis 2 m lange Tücher, die in den meisten Fällen ebenfalls aus Tragetuchstoff gefertigt sind. Die Besonderheit eines Ring Slings besteht darin, dass das Tuch an einer Kante zwei eingenähte Ringe (wir empfehlen Metallringe aufgrund ihrer Stabilität/Langlebigkeit) hat. Durch diese wird das andere Ende des Tuches gezogen, woraus dann ein Beutel entsteht. In einem Sling kann man sowohl zarte Frühchen als auch Kleinkinder tragen. Ring Slings sind schnell angelegt und klein verstaubar, daher eignen sich prima für unterwegs. Bei längerem Tragen kann jedoch die einseitige Gewichtsbelastung unangenehm sein.

Das sagt Öko-Test

Die Öko-Test hat in der Ausgabe 6/2011 und 8/2016 mehrere Tragetücher verschiedener Hersteller getestet – unter ihnen leider nur eine einzige Ring Sling: das Modell „Eric Bio“ von Storchenwiege. Diese schnitt im Testergebnis mit „gut“ ab. Es wurden keinerlei bedenkliche Inhaltsstoffe gefunden und die Kreuzkörperbindung sogar positiv hervorgehoben. Sowohl im Testergebnis für Inhaltsstoffe als auch im Testergebnis für weitere Mängel bekam die Ring Sling von Storchenwiege ein „sehr gut“. Abzüge gab es lediglich für die unvollständige Bedienungsanleitung und den fehlenden Hinweis auf eine zusätzliche fachliche Beratung.

Unsere Empfehlung
Storchenwiege Ring Sling
Storchenwiege Ring Sling
  • Öko-Test-Urteil "gut" (Abzüge gab es lediglich auf die unvollständige Bindeanleitung, die unserer Meinung nach viel wichtigeren Kriterien wie Inhaltsstoffe usw. bekamen alle ein "sehr gut")
  • 100% Bio-Baumwolle (kbA) - zertifiziert nach dem Öko-Tex Standard 100
  • hergestellt aus Tragetuchgewebe (Kreuzkörperbindung), Ringe aus Metall (Aluminium)
  • universelle Größe  (2,1 m x 0,7 m) für verschiedene Träger verwendbar
  • hergestellt in Deutschland
  • in vielen Farben und Designs erhältlich
Preis: € 68,00 Hier bestellen*
Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Zuletzt aktualisiert am 9. Dezember 2018 um 01:13 . Die angezeigten Preise können sich inzwischen geändert haben. Alle Angaben ohne Gewähr.

Neben Storchenwiege sind weitere Hersteller von Ring Slings zum Beispiel Storchenwiege, Girasol, Didymos, Hoppediz, Fidella, Kokadi, Hänschenklein und Amazonas.

Ring Slings bei Amazon

Vorteile und Nachteile von gewebten Tragetüchern auf einen Blick

  • von Geburt an nutzbar
  • bis zum Ende der Tragezeit benutzt werden, keine Gewichtsbeschränkung
  • prima für unterwegs, da klein verstaubar und schnell angelegt
  • verschiedene Trageweisen möglich (Hüfte, Bauch, Rücken)
  • einseitige Gewichtsbelastung bei längerer Tragedauer meist unangenehm

 

Häufige Fragen und Antworten zum Thema Babytrage

Kann ich mein Baby ab der Geburt im Tragetuch tragen?
Selbstverständlich – mit der richtigen Trageweise kannst du dein Baby ab dem ersten Lebenstag tragen. Du solltest dich nach der Geburt fit genug fühlen und das Tuch korrekt binden können. Am besten macht man dazu vorm ersten Tragen eine Trageberatung – so kannst du dir sicher sein, dass dein Baby im Tuch die korrekte Anhock-Spreiz-Stellung (die Knie sollten höher sein als der Po) einnimmt und das Köpfchen sowie der Rücken optimal gestützt ist.

Kann ich auch ein Frühchen im Tragetuch tragen?
Ja, das ist sogar sehr empfehlenswert. Durch die Körperhaltung, die das Baby durch das Tragen einnimmt, die Körperwärme der Mutter, die Schaukelbewegungen beim Gehen und das Spüren des Herzschlages fühlt sich das Baby in den Mutterleib zurückversetzt und damit sicher und geborgen. Der enge Kontakt zwischen Mutter und Kind (der durch die Frühgeburt viel zu zeitig unterbrochen wurde) kann so weiter aufrecht erhalten werden – sowohl für die psychische als auch die physische Entwicklung ist das für das Frühgeborene von Vorteil.

Bis zu welchem Alter kann ich mein Baby im Tragetuch tragen?
Das kommt ganz auf das Tuch an, welches du benutzt. Ein elastisches Tuch kommt meist ab ca. 9 kg an seine Grenzen. Wann ein Baby dieses Gewicht erreicht, ist ganz unterschiedlich – manche Babys wiegen bereits mit 6 Monaten 9 kg, andere mit einem Jahr noch nicht. Bei einem gewebten Tragetuch gibt es diese Gewichtsbegrenzung nicht – sie können bis zum individuellen Ende der Tragezeit (also auch, bis dein Kind mehrere Jahre alt ist) genutzt werden.

Ich habe das Gefühl, dass mein Baby das Tuch nicht mag. Mache ich etwas falsch?

Trageberaterin Nicola meint: “Wenn das Baby beim Einbinden ins Tuch erstmal weint, bedeutet das nicht, dass es das Tragen nicht mag. Gehe, wenn du fertig gebunden hast, ein wenig umher. Die meisten Babys beruhigen sich dann innerhalb von wenigen Minuten und schlafen zufrieden ein.”

Wie lange kann ich das Baby täglich im Tragetuch tragen?
Insofern das Tragetuch richtig gebunden ist und du und dein Baby daran Gefallen finden, gibt es keine Einschränkung in der Dauer des Tragens. Voraussetzung ist, dass es für beide bequem ist und dein Baby anatomisch korrekt im Tuch sitzt. Dein Baby wird dir deutlich signalisieren, ob und wie lange es getragen werden möchte. Es wird immer wieder Phasen geben, in denen dein Kind selbst auf Entdeckungsreise gehen möchte, sowie Phasen, in denen dein Baby besonders viel Nähe braucht und getragen werden will. In diesen Zeiten kann es sein, dass dein Kind am liebsten den ganzen Tag im Tragetuch sein möchte – und das ist auch völlig okay so.

Kann ich mein Kind verwöhnen, indem ich es im Tragetuch trage?
Nein, auf keinen Fall. Indem du das Grundbedürfnis deines Babys nach Nähe und Geborgenheit erfüllst, wirst du dein Baby dein Baby niemals verwöhnen. Evolutionsbiologisch sind Menschen Traglinge und alle Kinder nabeln sich mit der Zeit von ihren Eltern ab, entdecken ihre wachsende Mobilität und wollen irgendwann von selbst nicht mehr getragen werden. Mit Liebe und dem Erfüllen der elementarsten Bedürfnisse wirst du dein Baby also keineswegs verwöhnen.

Lernt mein Kind, wenn es viel Zeit im Tragetuch verbringt, denn überhaupt das Laufen?
Ja – diese Sorge ist völlig unbegründet. Das Tragen verzögert die motorische Entwicklung genauso wie das Fahren im Kinderwagen. Dadurch, dass getragene Kinder durch die Bewegungsabläufe des Tragenden mehr Stimulation miterleben, sind sie oftmals sogar motorisch weiter.

Bekommt mein Baby im Tragetuch genug Luft?
Ja. Natürlich solltest du darauf achten, dass die Nase deines Babys freiliegt. Wenn du dich allerdings bewegst, zirkuliert auch die Luft im Tuch und sorgt für genügend Frischluftaustausch. Die Kinderklinik an der Universität zu Köln hat speziell zu diesem Thema sogar eine Studie ausgeführt, welche zu dem Ergebnis kam, dass im Tragetuch getragene Säuglinge nicht unter Sauerstoffmangel leiden. Das genaue Ergebnis der Kölner Studie kannst du hier noch einmal nachlesen.

Wie soll ich mein Baby im Winter anziehen, wenn ich es im Tragetuch trage?
Ist dein Baby noch klein, kannst du es gut unter deiner Jacke tragen. Dafür eignet sich entweder eine spezielle Tragejacke oder deine ehemalige Schwangerschaftsjacke. Da es zudem noch von dir und deiner eigenen Körperwärme warm gehalten wird, benötigt es sonst nur die Kleidung, die es auch zu Hause trägt – also zum Beispiel einen Langarmbody, Strumpfhose, Shirt/Pullover und einen Strampler.

Eine extra Jacke ist nicht notwendig, allerdings solltest du deinem Baby noch ein Paar warme (Woll-)Socken, sowie ein Tuch um den Hals und eine Mütze aufsetzen. Ist dein Kind bereits größer und wird von dir über der Jacke (zum Beispiel auch auf dem Rücke) getragen, benötigt es selbstverständlich wärmere Kleidung. Statt einer Jacke bietet sich im Tragetuch vor allem ein Wollanzug an – der hält schön warm und kann nicht verrutschen. Ob dein Baby schwitzt oder friert, fühlst du übrigens am besten im Nacken. Fühlt sich der Nacken heiß an, ist es deinem Baby zu warm. Wichtig ist, dass Babys im Tuch oder unter einer Jacke nicht zu dick eingepackt werden, da sie eher überhitzen als frieren.

Wie soll ich mein Baby im Sommer anziehen, wenn ich es im Tragetuch trage?
Wenn du dein Baby im Sommer trägst, solltest du darauf achten, dass es gut vor der Sonne geschützt ist. Neben einem Sonnenhütchen solltest du auch bedenken, dass die Arme und Beine deines Babys meist aus dem Tuch schauen. Ein Langarmbody und eine dünne Hose aus einem Wolle-Seide-Gemisch haben eine kühlende Wirkung  und schützen zudem vor der Sonneneinstrahlung.

Übrigens: Beim Tragen im Sommer wird dir sicherlich auffallen, dass du selbst dort am meisten schwitzt, wo dein Baby auf deiner Haut liegt. Das ist im ersten Moment vielleicht unangenehm – allerdings kühlt dein Körper durch das Schwitzen genau die Stelle, wo das Baby aufliegt und kühlt damit nicht nur dich selbst, sondern auch dein Baby ab. So kann es für dein Baby im Sommer sogar an deinem Körper kühler sein als im Kinderwagen.

Ist ein Tragetuch eine gute Alternative zum Kinderwagen?
Ein Tragetuch kann durchaus eine gute Alternative zum Kinderwagen darstellen. Neben der Körpernähe und der gesunden Haltung, die ein Baby in einem korrekt gebundenen Tuch einnimmt, hat ein Tragetuch auch noch viele andere Vorteile. So ist man zum Beispiel ausgesprochen mobil; Treppen, enge Gänge oder öffentliche Verkehrsmittel stellen kein Hindernis dar. Außerdem hat man immer die Hände frei und muss den Kinderwagen nicht schieben.

Auch im Auto ist ein Tragetuch natürlich für unterwegs viel schneller (und platzsparender) verstaut als ein Kinderwagen, den man erst auseinanderbauen muss. Ein weiterer Vorteil ist natürlich der Preis: selbst ein teures Tragetuch ist in der Anschaffung deutlich günstiger als ein Kinderwagen. Dennoch hat auch ein Kinderwagen den ein oder anderen Vorteil. So kann man im Korb zum Beispiel um Einkäufe zu verstauen, die man sonst tragen müsste. Auch bei längeren Ausflügen kann ein Kinderwagen praktisch sein – vor allem wenn das Kind sehr schwer ist und man selbst zu Rückenschmerzen neigt.

Sparbaby-Redakteurin Julia meint: “Auf den Kinderwagen hätten wir getrost verzichten können, auf das Tragetuch aber niemals!”

Welche wichtigen Regeln gelten beim Einbinden des Babys?
Am wichtigsten ist, dass dein Kind fest und sicher eingebunden ist. Für den richtigen Halt müssen die Tuchbahnen sehr gewissenhaft nachgezogen werden, sodass die einzelnen Wirbel gut abgestützt werden. Natürlich muss auch der Knoten fest sitzen, um ein Nachrutschen/Ausleiern des Tuchs zu verhindern. Außerdem muss dein Baby ausnahmslos immer in der korrekten Anhock-Spreiz-Haltung sein. Der Po sollte dabei tiefer sitzen als die Knie. In der optimalen Position sollte auch das Becken deines Kindes nach vorn gekippt sein, so wird der optimale Rundrücken geformt.

Schläft dein Kind im Tuch oder kann es seinen Kopf noch nicht selbstständig halten, muss auch hier für einen guten Halt gesorgt werden. Beim Auswählen der Bindeweise solltest du auf diese Punkte unbedingt achten. Am besten ist es, wenn man vor dem ersten Tragen eine Trageberatung aufsucht und sich die korrekte Trage- und Bindeweise von einer Fachperson zeigen lässt.

Kann ich mein Kind im Tragetuch mit dem Gesicht nach vorne tragen?
Nein. Du solltest dein Baby niemals im Tragetuch mit dem Gesicht nach vorne tragen. Wie bereits beschrieben, sollte dein Baby im Tuch stets die sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung einnehmen. Das heißt, dass die Knie etwas höher als auf Pohöhe angezogen sind und der Rücken leicht rund ist. Diese Haltung nehmen Neugeborene auch natürlicherweise ein, wenn sie auf dem Rücken liegen oder man sie hochhebt.

Trägt man ein Kind im Tragetuch nach vorn, hängen die Beinchen in der Luft, das Kind kann sich nicht abstützen und die korrekte Haltung ist nicht gegeben. Auch wird der Rücken des Babys viel zu stark aufgerichtet – im schlimmsten Fall entsteht sogar ein Hohlkreuz. Außerdem hat dein Baby so keinen Blickkontakt zu dir und kann sich, selbst wenn es müde wird, den vielen Reizen kaum entziehen. Falls du unbedingt möchtest, dass dein Kind beim Tragen nach vorn sehen kann, ist der Hüftsitz oder die Rucksacktrageweise zu empfehlen.